Die Drei Wunder Berlin

Das Fechten mit dem Langen Schwert in Berlin

Wir wollten ja schon lange auch das Fechten mit dem Langen Schwert betreiben, wussten aber nicht, wie wir auch das noch in den zwei Trainingstagen, welche wir bisher zur Verfügung haben, unterbringen sollten.
Aber das Leben meinte es anscheinend gut mit uns und wir lernten die Gruppe „Drei Wunder Berlin“ kennen.
Diese trainieren in Berlin-Kreuzberg das Fechten mit dem Langen Schwert. Abgesehen davon das sie alle sehr nett sind, finde ich das Training sehr gut aufgebaut und durchdacht. Nach dem Training habe ich immer nur zwei Wünsche: Essen und Schlafen 😉
Hier geht es zur Webseite der Drei Wunder Berlin, sie befindet sich noch im Aufbau, sodass es dort noch nicht so viel zu sehen gibt. Das wird sich aber ändern und man findet dort auch schon eine Kontaktadresse.

Anleitung: Schwertscheide fertigen

Wir basteln uns eine Schwertscheide

Der Lederbezug und die Art der Gurtbindung sind zwar die einer Scheide aus dem 14. Jahrhundert, kann aber vom Kern her für viele andere Darstellungen verwendet werden. Man muss dann eben nur den Leder oder Leinenbezug und Bindung anders gestalten.
Zuerst kaufen wir eine Holzleiste, welche gut doppelt so lang ist, wie die Klinge unseres Schwertes und etwas breiter als die Schneide an der breitesten Stelle.
Wenn man es sich nicht unnötig schwer machen möchte hilft, es ungemein, sich eine möglichst „astreine“ Leiste aus zu suchen.
Auch sollte man darauf achten, dass das Holz nicht all zu verzogen ist, damit es sich nachher ohne Probleme aufeinander leimen lässt.

1.) Wir teilen die Leiste in der Mitte, sodass wir eine Ober- und eine Unterseite für die Scheide haben.

2.) Wir legen auf beiden Seite, auf der Innenseite die Klinge auf das Holz, vermitteln diese und zeichnen die Klinge auf dem Holz an. Bevor wir uns für eine Holzseite als Innenseite entscheiden, sollten wir die Leisten in verschiedenen Konstellationen aufeinender legen, um zu sehen, welche Seiten ohne viel pressen gut aufeinander passen.

3.) Wir nehmen ein Stück Fell, Zeichnen zweimal die Klinge darauf auf und schneiden es aus.
Dabei achten wir darauf, dass wir das Fell so anzeichnen und ausschneiden, dass wir ,wenn wir das Schwert in die Scheide stecken, dies nicht gegen den Strich des Fells machen. Sonst reißen wir mit der Zeit beim Einführen der Klinge Fellstücke heraus, welche sich dann unten in der Scheide ablagern und irgendwann bekommen wir das Schwert nicht mehr in die Scheide.

4.) Nun holen wir mit einen Stecheisen das Holz heraus, damit ein Hohlraum entsteht, welcher nach dem aufeinander leimen der Leisten die Klinge aufnimmt.
Wir beginnen damit die Linie, welche wir angezeichnet haben abzustechen und dann mit dem Eisen das Holz herauszuholen.
Geht nicht zu ungestüm ans Werk, sonst passen bevor man sich versieht zwei Klingen hinein. Immer wieder zwischendurch anprobieren und denkt daran, bei beiden Leisten jeweils nur die Hälfte der Klingenstärke herauszuholen. Probiert die Scheide zwischendurch immer wieder an, indem ihr das Schwert und die beiden Fellstücke in die eine Hälfte der Scheide legt und die andere Hälfte dann oben drauf. Wenn es zu passen scheint, legt die Fellstücke und die Klinge in den Hohlraum, legt beide Leisten aufeinander und fixiert sie leicht mit einer Klemme oder ähnlichem.
So könnt ihr testen, wie die Passgenauigkeit ist, das Schwert sollte weder einfach herausrutschen, noch sich nur mit Gewalt ziehen lassen.

5.) Wenn alles passt werden die Fellstücke mit der Narbenseite Richtung Holz in die Scheide geklebt. Auch wenn es nicht authentisch ist, verwende ich dafür Pattex. Achtet vor allem darauf, dass ihr das Fell am Mundstück der Scheide gut festklebt. Wenn es sich löst während ihr das Schwert in die Scheide einführt und ihr das Fell dabei in die Scheibe schiebt, habt ihr ein Problem. Das bekommt ihr höchstwahrscheinlich nicht mehr heraus und könnt die Scheide wegwerfen!

6.) Wenn das Fell fest an Ort und Stelle sitzt, werden die Holzleisten aufeinander geklebt. Dazu tragen wir auf einer Leiste in Schlangenlinien Holzleim auf und legen die Leisten aufeinander.
Achtet darauf das auch alles richtig aufeinander sitzt. An dieser Stelle ist es entscheidend, dass ihr auch wirklich genau gearbeitet habt. Wenn die beiden Hohlräume nicht übereinander liegen, wird das Schwert niemals in die Scheide herein passen.
Fixiert die Leisten nun mit Schraubzwingen aufeinander und laßt das Ganze gut trocknen. Beim Festziehen der Schraubzwingen werden sich die Leisten aufeinander verschieben. Kontrolliert das und richtet sie wieder richtig aus.

7.) Nun geht es ans Hobeln und anschließend ans Schleifen. Seid auch beim Hobeln vorsichtig. Es ist eine schmale Gratwanderung zwischen möglichst viel wegnehmen und ein Loch rein Hobeln.  Man kann es notfalls flicken, indem man an der Stelle mehrere Hobelspäne aufeinander klebt, mit viel Kleber, das Ganze mit Tesafilm fixiert und dann gut trocknen lässt. Danach muss man die Stelle gut schleifen. Wenn das Leder darüber geklebt wird, sieht man nichts mehr davon. Aber schöner ist es natürlich, wenn man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt etwas flicken zu müssen. Ich finde es hilfreich, sich die Klinge vor dem Hobel außen auf der Scheide aufzuzeichnen, damit man eine Vorstellung hat, wo sich der Hohlraum befindet. Im oberen Bereich hobel ich nicht alles weg, was weg soll. Ca. 5 mm lasse ich mehr stehen und zeichne mir im oberen Bereich zwei Bänder um die Scheide herum an. Diese will ich stehen lassen, um das Einfädeln des Gurtes in das Leder, welches die Scheide schließlich bekleidet zu erleichtern.
Wenn ich die Bänder angezeichnet habe, nehme ich das Holz, um sie herum mit einem Eisen weg.

8.) Nachdem wir der Scheide nun Form gegeben haben, geht es daran sie einzukleiden. Dazu habe ich mich für weinrotes Leder entschieden. Erst einmal muss es angepasst werden.
Dazu drehe ich das Leder erst einmal auf links, fixiere es mit Wäscheklammern, um den Holzkern und zeichne es an. Ich zeichne sowohl die Umrisse an, also die Größe des gesamten Lederstücks, welches nachher die Scheide einkleidet. Dabei gebe ich ein wenig Spiel, da ich das Leder vor dem Umnähen an der Naht ein Stück nach innen klappen möchte. Als auch die Stellen an, welchen die Gurte nachher durch gefädelt werden sollen. Diese zeichne ich ziemlich großzügig an, da ich noch nicht exakt weiß, wo die Gurte nachher durchgefädelt werden.

9.) Nun löse ich das Leder wieder von der Scheide und übertrage die Stellen an denen die Gurte entlang gehen auf die Scheide. Denn diese muss ich nachher beim Einstreichen der Scheide mit Kleber aussparen. Sonst kann ich den Ledermantel nicht anheben, um die Gurte durchzuziehen.

10.) Wenn klar is,t wo kein Kleber hin soll, streiche ich die Scheide auf der Vorderseite satt mit Holzleim ein (Anm.: nur da wo er hin soll!), lege das Leder auf und streiche sorgfältig alle Blasen und Falten heraus. Dann drehe ich die Scheide um, um ihre Rückseite mit Leim einzustreichen. Anschließend vernähe ich die Stoßkante. Wobei man etwas zügig arbeiten muss, da der Leim schnell trocknet.

11.) Da der obere Riemen zu einem Teil geteilt werden muss, ermittele ich, wie lang das geteilte Stück sein muss. Ich wickle den Riemen dazu, so um die Scheide, wie der oberere der geteilten Riemen nachher um die Scheide gewickelt wird. Dabei bin ich großzügig ,damit es nachher nicht doch zu kurz ist.
Bevor der Riemen nun geteilt wird, sollte an der Stelle, wo der geteilte Riemen zu einem wird ein Loch gesetzt werden. Dies verhindert, dass der Riemen beim Tragen des Gehänges weiter einreist. Dann kann der Riemen geteilt werden. Er sollte aber nicht einfach nur geteilt werden, sondern muss dabei nach unten hin auch immer dünner werden, damit sich das Ende nachher auch gut verknoten lässt. Schneidet aber nicht einfach drauf los, sondern wickelt den Rieme,n wenn er geteilt ist um die Scheide, so wie er nachher verläuft und zeichnet dabei an ,wo er, wie viel schmaler wird. Erst dann nehmt auch die Seiten weg.

12.) Nun noch die Riemen anbringen, wobei ich mich Stück für Stück vorarbeite. Ich arbeite mich Schlaufe für Schlaufe vor, setze die Schnitte im Ledermantel und passe die Breite der Gürtel langsam und gemächlich an. Hier keine operative Hektik aufkommen lassen, sonst ist schnell etwas versaut.

13.) Wenn der Obere Riemen angebracht ist, folgt der untere. Dazu gucken wir auf welcher Höhe dieser sitzen muss. Setzen auch hier die entsprechenden Schlitze und vernähen den unteren Gurt um die Schwertscheide. Nun fädeln wir den Oberen Gurt durch den Unteren und setzen vorn den Knoten.

14.) Jetzt bleibt nur noch die Schnalle anzunähen, die Löcher für die Schließe in den unteren Gurt zu stanzen und die Scheide zu fetten. Fertig!

Und hier das ganze noch mal ausführlich bebildert.

Veröffentlichung: Langes Schwert und Schweinespiess

Ein Faksimile einer anonymen Fechthandschrift aus den verschütteten Beständen des Historischen Archivs der Stadt Köln von Matthias Johannes Bauer

Ich wurde gestern auf dies Buch aufmerksam gemacht, ich kenne es zwar nicht, finde aber, dass es sich sehr interessant anhört.
Die Handschrift stammt aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Der Inhalt besteht aus reinem Text und in ihm wird der Umgang mit dem Lange Schwert, dem Messer im Ringen, Stangenwaffen und dem Schweinespiess gelehrt.

Verlag: Akademische Druck- u. Verlagsanstalt

ISBN-13: 978-3201019200

Gibt es hier zu kaufen.