Das kurze Messer und das Dolchmesser

Wenn ich Gedanken um das Dolchfechten machte, hatte ich dabei stets einen Dolch mit einem kantigen Klingenprofil vor meinem inneren Auge. Und zog damit auch die Eigenschaften einer solchen Waffe in diese Überlegungen mit ein. Eine Schneide an der Waffe spielte dabei eigentlich eine eher untergeordnete Rolle.
Nachdem ich aber einen Hodendolch in der Hand hatte der über eine Schneide verfügt, fand ich das Teil erst mal erschreckend. Und dachte, das man die Eigenschaften einer solchen Waffe im Training eigentlich nicht einfach ignorieren könne.
Deshalb habe ich begonnen in den Fechtschriften vermehrt auf Details zu achten, die sich auf die Verwendung eines Dolches mit Schneide, bzw. des Kurzen Messers zu beziehen, … ich war überrascht.

Den in den Fechtschriften findet man fast ausschließlich den Dolch mit einem kantigen Klingenprofil. Nur in sehr wenige Handschriften scheint ein Dolch mit einer schnittigen Klinge verwendet worden zu sein. So das man den Eindruck gewinnen könnte, das Dolche mit einer Schneide eher die Ausnahme darstellten.
Schaut man sich dagegen in den Museen die Dolche aus dem 15. und 16. Jahrhundert an, verfügen diese zum größten Teil über eine Klinge, welche über eine, oder zwei Schneiden verfügt.

Nun ist es nicht so das die Fechthandschriften Dolche mit Schneide ignorieren. So steht im Cod. ms. 3227a z.B. im Eingang zu den Dolchtechniken:

Der degen / ader das kurcze mess° das czu kamp stiche

Als Degen, oder Tegen bezeichnet man einen Dolch bei dem es sich um eine reine Stichwaffe handelt. Um im wortkarger zwischen den Dolchformen unterscheiden zu können, werde ich im folgenden für einen Dolch mit einem kantigen, drei- oder viereckigen Klingenprofil die Bezeichnung Dolch verwenden. Einen Dolch der über eine- oder zwei Schneiden verfügt, werde ich als Dolchmesser bezeichnen. Bzw. Scheibendolchmesser oder Hodendolchmesser.

Im Cmg. 558 von Hugo Wittenwiler findet sich sogar ein Abschnitt „Das kurze Messer“. Aber auch dieser Abschnitt enthält vor allem Ringen am Dolch. Man kann also nicht behaupten das in den Schriften das Dolchmesser ignoriert werden würde. Die Aussage zu dem Thema ist vorhanden, die Stücke taugen für den Degen und für das kurze Messer, worin das Dolchmesser mit eingeschlossen sein dürfte.
Auch die wenigen bebilderten Schriften in denen ein Dolchmesser verwendet wird, bestätigen diese Aussage. Denn egal ob in den Schriften ein Dolch oder ein Dolchmesser verwendet wurde, das prinzipielle Vorgehen beim Ringen am Dolch scheint sich nicht voneinander zu unterscheiden.

Soweit also zum Ringen am Dolch. Aber ein Dolchmesser hat mehr Möglichkeiten als ein Dolch. Er kann schneiden. Was sagen die Handschriften dazu?

Im Cod. ms. 3227a finden ein paar Worte dazu

wen im eyner greift noch dem mess° als vor / als balde als her das nur merkt / zo rükke her vnd czihe syn mess° rich risch vnd sterklich an sin / ader key~ im weder / vnd sneid im durch arm hant /

Und Paulus Kal hat in seiner Schrift zwei Versätze mit dem Dolchmesser

Unterschnitt Oberschnitt
Das wars. Mehr gibt es nach
meinem momentanen Kenntnisstand zu dem Thema nicht. Nun wird ja auf die reine Arbeit mit dem Dolch, abseits des Ringen, bis auf Ausnahmen wie Joachim Meyer, dem Mss. 83.4 aug. 8f und ein paar Konterstichen bei Talhoffer und dem Codex Wallerstein kaum eingegeangen. So das man wahrscheinlich nicht zu viel erwarten sollte, aber fast gar nicht?
Warum das? Man kann doch wichtige Eigenschaften einer so verbreiteten Waffe nicht einfach ignorieren.  Oder ging man davon aus das man ja genug über das lange Messer geschrieben hat und sich die Waffen ähneln?
Gut, man mag die Haue und Stiche aus dem Langen Messer mehr oder weniger auch mit einem Hodendolchmesser ausführen können. Da das Griffstück das zulässt. Aber obwohl ich instinktiv, wenn ich ein größeres Hodendolchmesser in der Hand habe, damit dem Langen Messer ähnliche Haue und Schnitte machen will, passt es doch nicht ganz. Und spätestens wenn man ein Scheibendolchmesser in der Hand hat, passt es überhaupt nicht mehr.

Sollte jemand eine von mir nicht genannte Schrift kennen in der Schnitte mit dem kurze Messer oder dem Dolchmesser ein Thema sind, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar.