Dolchfechten – Die zweite Hand

Kommt man im Dolchfechten in die Reichweite des Gegenüber und Attackiert mit einem Stich, wird der Gegenüber diesen Falknerwahrscheinlich versetzen und seinerseits mit einem Stich gegen uns reagieren. Hat man bei seiner Attacke die zweite Hand nicht

bereits vorn, sind die Chancen den Gegenstich zu versetzen ziemlich schlecht.
Man könnte also sagen, die zweite Hand ist recht wichtig sobald wir in die Reichweite unseres Gegenüber gelangen.
Gucken wir uns jedoch die Dolchteile der mittelalterlichen Fechtbücher an, geht darauf so gut wie kein Autor ein. Der einzige Autor den ich kenne der dieses Thema behandelt ist Joachim Meyer. Aber natürlich kenne ich nicht alle Fechtbücher die sich mit dem Dolch auseinander setzen.

Dabei ist es egal ob es sich um Dolchteile in reinen Texthandschriften, oder in bebilderten Schriften handelt. Alle (die ich kenne) ignorieren die zweite Hand. Natürlich beschränken sich die Fechtbücher auf das wesentliche der Technik und es fehlt ehe jede Menge T1detaillierte Information. Was in den nur aus Text besehenden Schriften auch noch keine Fehlinformation beinhaltet. Da die Informationen (Fußarbeit, Körperhaltung, etc.) im allgemeinen recht spärlich sind, sind wir es gewohnt jede Menge Leerraum füllen zu müssen. Wodurch wir oft instinktiv im Angriff die Hand mit

nach vorn nehmen, da es uns einfach vernünftig erscheint.

Bei den bebilderten Handschriften jedoch stellt sich das ein wenig anders da. Dort haben wir eine visuelle Information was der Angreifer mit seiner zweiten Hand tut. Meist hält er sie locker an der Seite baumelnd, nahe am Körper oder gar auf dem Rücken.
Solch eine Handhaltung würde jedoch im Falle der Gegenwehr des Gegenüber mit Goliathziemlicher Sicherheit zu unserem frühen Ableben beitragen.
Die einzige Ausnahme ist wie gesagt Joachim Meyer, er äußert sich in seinem Werk – Gründtliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen kunst des fechtens in allerley gebreuchlichen Wehren – explizit zur zweiten Hand.

… oder kom mit dem Rechten arm sampt deinem Dolchen im angreifen (versetzen) der Lincken zůr hilff/
damit du ihm seinen Rechten arm dester stercker aufwinden oder schwechen mögest/

und demnach ihm also dester baß mit deinem Dolchen zůr blöß komen könntest.

Desgleichen wann du mit deinem Dolchen versetzest/
du habest in dann auff deinem Rechten Arm ligen oder sonst/
so kome eilent mit der Lincken hand der Rechten zů hilff/
also das beide hend schier zůgleich antreffen/Tahoffer-zweiteHand
und alwegen ein hand der andern folget/
und zů hilff komet/
damit du alle Brich und Ringen dester stercker und geschwinder in das werck bringen mögest.

Nun kann ich mir jedoch nicht vorstellen das Joachim Meyer der erste Fechtmeister war der darauf kam auch die zweite Hand einzusetzen. Bei genauerer Betrachtung finden wir jedoch auch bei Hans Talhoffer einen Hinweis darauf. So sieht man auf einer Abbildung wie ein Fechter einen Oberstich mit seiner linken Hand versetzt und mit dem Dolch zum Körper des Angreifers sticht. Dabei räumt er mit einem Schlag seines Dolchs die linke Hand des Angreifers aus dem Weg.

MeyerWenn die zweite Hand jedoch so wichtig ist, warum wird ihr Einsatz dann auf den Abbildungen nicht gezeigt? Interessant ist finde ich diesbezäglich das auch Joachim Meyer auf den Abbildungen in seinem Werk die Angreifer immer so darstellt, das sie die zweite Hand an ihrer Seite oder gar hinten halten.

Obwohl er im Text des öfteren darauf hinweist das die zweite Hand mit nach vorn muss. Im Angriff empfiehlt er sogar die Hand vor dem Gesicht, selbigen zum Schutz, zu führen.

Ich vermute das die Illustratoren fürchteten,  mit einer zweiten vorn gehaltenen Hand evtl. wichtige Details der Technik verdecken. Weshalb sie die zweite Hand immer hinten gehalten darstellten.

Mein Fazit: Die zweite Hand muss mit nach vorn.