Joachim Meyer

Posted on by

Joachim Meyer war ein Fechtmeister des 16. Jahrhunderts. In seiner Schrift „Gründliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen kunst des fechtens in allerley gebreuchlichen Wehren“ unterrichtet er, wie der Titel schon sagt verschieden Waffen. Namentlich das Lange Schwert, das Rapier, den Dusack, den Dolch, das Ringen und verschiedene Stangenwaffen.
Das Buch wurde nach dem Datum welches in der Vorrede angegeben wurde am 24. Februar 1570 geschrieben, bzw. begonnen.
Meister Meier selbst sieht sich, wie aus seiner Unterschrift in dem Buch zu entnehmen ist als Freifechter und Bürger der Stadt Straßburg.

Fechten im Dolchen

Von der Oberhut

In die Oberhut schicke dich also/
führe deinen Dolchen hoch von deinem gesicht/
wie das grosser Bild zůr Rechten hand in diser figur ausweißt/
tritt also zů uñ bleib mit deinem rechten fuß vor/


1.) Sticht einer auff dich her/
gegen deiner Lincken/
so fahre mit hangendem Dolchen von deiner Rechten gegen seinem/
und fange ihm seine hand mit deinem Dolchen hinder seiner hand bey seinem glid auff/
also das in solcher versatzung dein Dolchen knopff ubersich unnd die klingen understehe/
als bald du nun mit solcher versatzung an sein glid rührest/
so bald fahre mit deinem Dolchen (doch das du in dem allen mit der Dolchenklingen hart an seinem Arm bleibst) under seinem Arm durch/
und oben wider umb seine hand
truck dein Dolchenklinge wol zů deinem Arm/
so klemestu du in dester harter/
Reiß im also sein hand gegè deiner Rechte seiten undersich/
Demnach fahre mit deinem Dolchen knopff inwendig an seinem rechten Arm ubersich gegen seinem gesicht oder kin/


2.) fehret er aber deinem Dolchen nach ubersich auff/
so zucke umb den Kopff/
und Stich nach der zwerch inwendig gegen seinem rechten Arm zů seinem gesicht ganz durch/
den letsten aber volbring in einem Riß sampt einem abtrit deines Lincken Fusses/
gerad von oben durch sein gesicht/


3.) Sticht er dir von oben gegen deiner Lincken wie vor/
so Stich uberzwerch gegen seinen herkomenden Arm/
also das dein Dolchen ober seinem Arm aufgange/
fange im also sein Arm in den winkel zwischen deiner hand und dem Dolchen/
in das hand gleich auff/
zů solchem Stich wende die Rechte seiten wol gegen seiner Lincken umb/
damit du ihm sein hand zwischen deinem glid und Dolchen dester harter fassen kanst/
Schließe im also sein hand hart/
und rucke im die undersich gegen deiner Rechten von dir/
damit verenckestu im seinen Arm/
waň du im seinen Arm undersich gewunden hast/
so zucke deinen Dolchen behende gegen deiner Lincken Achsel/
von dannen stich oberhalb seinem rechten Arm (ehe daň er den vom undersich Reissen auffwacht) uberzwerch gegen seinem gesicht durch/
Den anderen Stich im behend vornen gegen seiner Brust/
bewar diweil dein gesicht mit deiner Lincken hand.


Also hastu zwo versatzungen von deiner Rechten gegen seiner Lincken/
nemlich mit der ersten fangestu im sein handglid auff dem hangenden Dolchen/
stark von dir gegen seiner Lincken.
Die andere versatzung ist/
das du im sein obgemelt hand gleich in dem er her sticht/
under deinem Dolche mit einem gegenstich auff das glid deiner hand aufffangest. Wie du nun solche von deiner Rechten volbracht hast/
also soltu sie auch von deiner Lincken gegen seiner Rechten (wo er dir aufwendig gegen deiner Rechten stechen würde) in das werck richten.

4.) Sonst wann dir einer gegen deiner Lincken hersticht/
so soltu im gewaltiglich von uberzwerch inwendig gegen seinem Arm/
den fleschen oder dem inwendige glid naher der Reftricta zů/
starck durch/
daň das lembt in sehr/
mit dem anderen Stich reiß ausser und oberhalb seinem rechtê arm schlims gegen seinem gesicht starck durch/
damit nimstu unnd reißt ihm (wo er schon hergestochen) denselben understich aus/
Auch solt du auß diser Hůt mit oberstichen uberlangen/
er steche von Rechter oder Linker auff dich.

Underhut mit ihrer versatzung.

In die Underhůt schicke dich also/
stand mit deinem rechten fůß vor/
halt dein Dolchen neben deinem lincken Schenkel/
das der vorder ort gegê des Mans gesicht aufstande/


5.) Sticht dein gegenpart auff dich her/
so trit gegen seiner Rechten zůr seiten aus/
und Stich im aufwendig uber seinen rechten Arm/
reiß den under sich zů dir/
fahr mit deinem Dolchen knopff wider ubersich gegen seinem Kin wie oben gelehrt/
Stich behend wider von Oben gegen seinem gesicht in einem Riß durch.


6.) Item Sticht er von Oben/
so fahr mit deinem zwerch Dolchen auff/
und fang im sein hand hinder seinem Dolchen/
bey seinem gelenck der hand auff/
und wind ihm mit deinem Dolchen von inwendig umb uber seinem Arm/
Reiß also den gegen deiner Lincken seiten/
demnach Stich behendiglich von vornen gegen seinem gesicht durch.


Mittelhut.

Dies Hůt wann du deinen Dolchen zůr seiten dem gürtel gleich fuhrest/
oder auch gerad vor dir/
Dieweil aber aus disen gleich wie aus den anderen versetzt wirt/
will ich weiter hiervon zů schreiben/
in die stuck sparen.


Wasz die fürnemsten versatzung seind

Im Dolchen hastu zwo versatzungen/
die eine geschicht mit dem Dolchen danon bisher gesagt/
die ander geschicht mit der Lincken hand/
also das du im mit derselbigen könntest seine hand darinen er den Dolchen führet aufhalten/
und empfangen/
Wie du nun deren ein jede brauchen solt/
wirstu auch durch aus in nachfolgenden Stucken bericht werden.

7.) Item trit also mit der Oberhůt zů im/
und halt dein Lincke hand vor deiner Brust/
sticht dein widerpart dann auff dich von Oben/
so fang ihm sein hand mit deiner verkehrten hand/
und reib die umb von dir/
und stoß ihm mit dem Knopff unden an sein gelenck/
wie dich das eusser Bild in der figur B. lehrt.

[Bildtafel B links hinten]

8.) Merk im zůfechten geht einer auff dich mit einem oberstich/
so underfahrt ihm seine hand noch also hoch in der lufft/
behalt ihm also sein hand mit deiner Lincken in der höhe/
greif behend mit deiner Rechten hand zů sampt dem Dolchen under seinem rechten Arm durch/
kome damit der Linckenzů hilff/
wie du solches an den grösseren dossen in der jetz gedachten figur B. sehen kanst/
zůgleich in dem du also durch griffen hast/
so trit mit deinem Rechten wol hinder seinen rechten schenckel/
und schliesse under des mit deinem Kopff under seinem rechten Arm durch/
wirff ihn also uber ruck/
oder brich ihm den arm.

[Bildtafel B vorn mittig]

9.) Item im zůfechten komme in die Underhůt/
und lege den Dolchen auff deinen Rechten arm/
und merck in dem er von Oben her sticht/
so underfahr im seinê rechten Arm mit einem zůsprung under seinen Dolchen/
und fang im den auff dein zwerch Dolchen/
nach bey seinem gelenck auf/
alsbald und gleich mit ergreiff in auch mit deiner Lincken hand bei seinem Elenbogen/
rucke den auff solche weiß (wie du in der figur B. an dem kleinern bossen sihest) zů dir/
unnd Sich ihn wo du wilt.

[Bildtafel B rechts hinten]

kreuzhůt

10.) Im zůfechten halte deine hand kreuzweiß vor dir/
also das dir dein Dolchen auff deinem rechten Arm lige/
Sticht einer von Oben her/
so spring im under seinen stich/
und fahr gleich auch auff mit beiden armen/
unnd fang ihm den seinen hinder seinem Dolchen zwischen dem beide hend auff dein Dolchen klingen/
und in dem sein hand auff die deine herfelt/
so ergreife im die zůgleich mit verkehrter Lincker hand/
Reib im die eilents unnd mit gewalt von dir/
und Stich im dieweil (du ihn also aufreibest) mit deinem Dolchen oben nider in einem Riß durch_/
als dann nach dem er dir under des sein hand ausgerissen/
uberzwerch durch sein gesicht und Arm nach.



11.) Item Sticht dir einer von Oben/
so underfahr im seinen Arm mit deinem zwerch Dolchen/
auff deinem Arm ligent/
in dem du im also versetzest/
so greif behend gleich mit sein Rechte an/
under dem aber dieweil du in mit deiner Lincken hand angreiffest/
dieselbige weil fahr mit deinem Dolchen von seinem Arm hindersich zů ruck ab/
uň fahr mit dem Knopff neben deiner rechten wider von Unden/
und Reisse mit demselbigen starck ubersich zwischen seinen beiden Armen durch/
und Stich kurz wider nider inwendig seinem arm zůr Brust.

12.) Sticht dir einer von Unden/
so falle mit dem zwerch Dolchen auff seinen Arm/
und greiff im den gleich auch mit deiner Lincken an/
und fahr In des mit deinem Knopff underhalb seinem arm ubersich gegen seinem gesicht/
und dieweil er demnach aufffehret das abzůweisen/
so stich ihm inwendig von uberzwerch zům gesicht durch/
demnach ficht dich mit kreutzstichen von im.

13.) Merck wann dich einer uberlaufft mit einem oberstich/
so versetz im mit deinem zwerch Dolchen/
der dann langs auff deinem Arm ligen sol/
und gleich mit in solcher versatzung soltu deine
Lincke hand auff deiner Rechten kreuzweiß haben/
und begreiff im also (in dem er her gestochen hat) sein Dolchen/
mit Lincker verkehrter hand von Unden/
brich ihm den gegen seiner Rechten achsel ubersich aus/
in dem du also ausbuchst/
so greiff mit deiner Rechten hand wol aufwendig uber sein Rechten arm/
auff das wo er den Dolchen nicht lassen wolt/
du bald mit deinem Rechten hinder seinen Rechten trettest/
und werffest in uber ruck von dir.

14.) Merk im zůfechten underfahre im seinen oberstich mit kreuzigten henden/
also das die rechte hand in dem versetzen oben sey/
und gleich mit in der versatzung ergreiff mit deiner lincken verkehrten hand sein Rechte starck an/
und Stich im dieweil du sein Rechte ergriffen hast/
von unden auff under sein achsen/
oder starck uberzwerch zů seinen Rechten Ripen/
zuck dein Dolchen behend wider under deinem Lincken arm gegen derselbigen seiten/
Stich von dannen ubersich/
starck gegen seinem rechten Arm durch/
demnach Stich von deiner Rechten uberzwerch gegen seinem gesicht und Arm wegt.


15.) Sticht dir einer aufwendig gegen deiner Rechten zům Kopff/
so stich im aufwendig uber seinen Rechten arm/
klem ihm den zwischen deinem glid und Dolchen/
und Reiß den zů dir biß an dein rechte Brust/
fall ihm mit der Lincken hand auff sein gelenck des Elenbogens/
und brich im den Arm/
wie in der figur C. An der oberen kleinern bossen zůr Rechten zů sehen.

[Bildtafel C hinteres oberes Bild ganz rechts]

Werffen.

16.) Item Sticht dir einer Oben zů/
so stich ihm aufwendig uber sein rechten Arm wie vor/
ruck den zu dir/
trit mit dem Lincken hinder sein Rechten/
unnd greyff mit der lincken hand hinden umb an sein lincke Achsel/
unnd ruck ihn auff dein Lincke seyten/
uber dein führgesetzt beyn/
wie die mitlern obern bossen in obgedachter figur anzeygen.

[Bildtafel C  hinteres oberes Bild in der Mitte]

Wie du einem den Dolchen nemen solt.

17.) Item zucket einer ein Dolchen auff dich/
so greiff im sein hand nicht mit verkehrter sondern mit geradem griff/
hat er nun von Oben gestochen/
und du hast ihm sein hand wie gesagt ergriffen/
so reibe ihm die in einem schwung gegen deiner Rechten undersich/
und greiff mit Rechter verkehrter hand sein Dolchen kling/
brich ihm die von der hand aus/
Sticht er aber von Unden oder vornen gegen dein gesicht/
so begreyff im abermals sein hand wie vor/
also das im angreyffen alwegen dein kleiner finger gegen seyne Arm stehe/
dein daumen gegen seiner hand/
und begreiff ihm gleichfalls wie vor/
sein Dolchen mit Rechter verkehrter hand/
und brich ihm den auf/
wie dich das eusser kleiner Bild in der figur C. Zůr Lincken hand lehrt.

[Bildtafel C  hinteres oberes Bild ganz links]


18.) Item Sticht dir einer von Oben zů/
so greiff mit deiner Lincken verkehrten hand sein Rechte treib den ubersich umb von dir/
und spring mit dem Rechten hinder seinen Rechten/
unnd fahr mit deinem Dolchen Knopff sampt offener hand/
vornen an sein gurgel/
würff ihn von dir uber dein recht beyn.

Bruch

19.) B(oder Z?)iech die Rechte hand zů dir/
unnd schlag ihm mit deinem Lincken Arm von aussen uber sein Rechte/
schwing dich mit dem schlag von ihm/
gegen deiner Rechten seiten umb.

20.) Item stehe mit dem Lincken vor/
faß dein Dolchen in der mitte neben deiner Rechten/
das der Knopff uber die hand aufstehe/
sticht er als dań auff dich/
so versetz den stoß mit deiner Linckenverkehrten hand/
von deinem gesicht/
under des tritt mit deinem rechten fůß wol zů ihm/
also das du dein Rechte seiten under deinem arm wol gegen ihm gewendet habest/
unnd stoß in des mit dem Knopff von Oben aussen uber seinen rechten Arm zům gesicht/
unnd merck als bald er den stoß versetzen wil/
so fahr ihm von inwendig unden auff/
zwischen sein beiden Armen zům Kün mit dem vorderen ort starck ubersich durch/
demnach Stich ihm wider von Oben durch sein gesicht/
mit einem abtrit/
hab acht seiner Rechten mit deiner Lincken.

Item wann du ihm wie gelehrt/
sein hand mit deiner Lincken auff gefangen hast/
so trit abermals mit deinem rechten fůß zů ihm/
und fahr mit deinem Dolchen under seinen und deinem Arm durch/
und reiß mit deinem Dolchen knopff ausserhalb uber seinem Rechten arm/
starck undersich gegen deiner Rechten auf/
also das du in solchem undersich aufreissen/
mit deiner Lincken seine Rechte ledig lassest/
Stich demnach behendiglich von vornen durch sein gesicht/
mit einem abtrit deines Lincken fůß.

Merck im zůfechten schicke dich mit deinem Rechten fůß vor/
unnd fasse deinen Dolchen das dein klingen bey deinem kleinen finger ausstand/
und Stiche im von deiner Rechten von Oben durch sein gesicht/
im durch stechen so wende dein Dolchen behendiglich neben deiner Rechten wider ubersich zům understich/
uń Stiche den anderen gewaltiglich ubersich dem Arm zů durch/
also das du nach endung des stichs zů deiner rechten Achsel ankomest/
von deren stich als dann starck uberzwerch gegē seinem gesicht auch durch/
den vierden stich starck von Oben wider durch sein gesicht/
und fahre behende mit uberzwerchem Dolchen auff gegen seinem rechten Arm zůr versatzung.

Aufreissen.

Im zůfechten so stich ihm vornen ernstlichen gegen seinem Gesicht/
und wann du merckest das er dem stich begegnen wil/
so fahre in dem der stich eben jetz antreffen sol/
under seinem Rechten arm gegen seiner Rechten durch/
und Stich ihm aufwendig uber seinen Rechten arm/
mit dem selbigen Stich aber /
so Reisse gegen deiner Rechten volendt undersich durch/
und merck fleissig als bald er sein Arm under deinem herfür entruckt/
so folge mit der Lincken hand behendliglich von unden seinem Rechten arm nach/
und Stich ihm dieweil er noch im ubersich fahren ist/
under seinem Rechten Arm/
ihm gegen seinem gesicht.

Weiter wann du so nahet zům Mann komest/
also das du ihn in einem zůtrit erlangen kanst/
so fasse dein Dolchen aber wie vor/
also das du dein Dolchen klingen auff deinem Arm ligen habest/
als bald er dir von oben zůstechen wil/
so fahr demnach mit deinem rechten Arm und dar auffligendem Dolchen von deiner Lincken ubersich/
gegen seinem Rechten arm starck durch/
uň folge auch mit deiner Lincken hand dem rechten Arm nach/
auch under seinem Rechten/
und behalt ihm also seinen rechten Arm mit deiner Lincken hand in der höhe/
und Stiche ihm dieweil du seinen Arm mit deiner Lincken auff heltst für seine brust/
von dassen fahr behend wider auff mit uberzwerchen Dolchen gegen seinem rechten Arm/
als bald du ihm den ergriffen/
so fahre mit dem vorderen ort von inwendig uber seinen rechten Arm/
reiß ihm den undersich/
auch halt ihm den selbigen mit der Lincken auff/
und sůch ihm dieweil die Blöß.

Oder fahr abermal mit uberzwerchen unnd auff deinem Arm ligenden Dolchen auff/
gegen seinem herfallendem Rechten arm/
und fahr mit solchem gegen dem seinen ganz ubersich durch/
folge mit dem Lincken auch ubersich under seinem Rechten Arm/
demnach dieweil du mit deiner lincken hand seine Rechte auffheltst/
so Reiß mit deinem Dolchen Knopff neben deiner Rechten seyten von unden ubersich/
zwischen seinen beiden Armen ganz durch/
und Stich ihm under von Oben gegen seinem gesicht.

Merck wann einer gegen dir sticht/
es geschehe von oben uberzwerch/
oder von unden/
so fange ihm seine hand hinder seinem Dolchen auff/
und rucke ihm die in eyl ubersich/
unnd gehe mit deinem Kopff under seinem Rechten arm durch/
zůgleich in solchem durchgehn trit auch mit deinem rechten fůß hinder seinen Rechten/
wie dir solches der grosser boß in der figur D. anzeigt/
zeuch also sein hand uber dein Achsel hart hart zu dir/
und heb mit deiner Lincken hand sampt deinem ganzen leib/
sein rechtes Beyn ubersich/
also magstu den Arm brechen/
oder ihn werffen/
welches du wilt.

[Bildtafel D das große mittige Bild im Vordergrund]

Bruch/
wann dich einer also ergreyfft/
so schauwe das du ihme den rucken angewinnest/
dauon hernach.

Oder so der dir von Unden zůsticht/
so setze ihm den stich hinder seinem Dolchen auff sein hand gleich ab/
zůgleich in dem du also mit deinem Dolchen versetzest/
so ergreyff sein hand bey obgedachtem glid mit deiner Lincken/
rucke die also mit beyden henden zů dir an dein Brust/
unnd schwing dich behend auff dein Rechte seiten von ihm/
und brich ihm den Arm uber dein Lincke Achsel/
wie du an den kleinen dossen in der figur D. oben im winckel zů Rechten hand sehen kannst/
dises kan auff etliche weg gebrochen werden.

[Bildtafel D das kleine Bild hinten rechts]

Bruch

Merck aber hie disen Bruch/
wann dir einer dein hand also erwischt/
und ubersich mit umbgekehrtem leib auff sein Achsel rucken wil/
so nim war in dem er sich umbwendet/
so verwent und ruck deinen Elenbogen ubersuch/
unnd fahr ihm damit uber seinem Kopff umb sein hals/
also das dein Rechter arm auff sein rechte Achsel kome/
dieweil du aber solches thůst/
dieselbige weil greiffe mit der Lincken hand eilents uber seiner lincken Achsel hinein/
an sein gurgel/
setze ihm hiemit dein Rechten fůß in sein KniKel/
und zeuch ihn an rucken/
auch kanstu disen Bruch mit anderen stucken enden.

Ein Anders.

Sticht einer ernstlich auff dich her von Oben/
so fange ihm seinen Arm hinder seinem Dolchê zwischê dein beide hend/
die dân kreuzweiß uber einander/
die Rechte uber die Lincke geschrenckt sein sollen/
und in der versatzung greiff ihm sein hand gleych/
oder den Arm nahet darbey/
mit deiner Lincken verkehrten hand hart an/
reib ihm die ubersich von dir/
und trit hiemit auch zůgleich mit deinem rechten fůß hinder sein rechtes Bein/
unnd fall ihm mit deiner rechten Hand vornen an sein gurgel/
wirff ihn also an rucken von dir/
wie du solches in der figur D. zůr rechten Hand sehen kanst.
[Bildtafel D das vordere ganz rechte Bild]

Merck sticht dir einer von Unden/
und felt dir mit seiner Lincken hand zůgleich an dein brust/
oder hals/
gegen deiner Lincken seiten/
so schlag dein Lincken Arm aussen umb sein Lincken/
und mit deiner Rechten hand und begreyff sein Lincken an deiner Brust/
und stoß starck auff dein Lincke seyten/
so brichst ihme den Arm.

Item greifft er dir aber an deine rechte Brust/
und Sticht unden/
so versetz ihme den stich mit der Lincken hand/
unnd in der versatzung so stoß mit deiner Rechten hand sein Lincke hand von der Brust/
also das der Rechte daum unden sey/
und in dem stoß fahr bald mit deinem Arm under seinen hals/
und mit der Lincken hand so greyff under sein Knibüge/
so bald als du hast versetzt/
und wirff ihn uber dein recht Kni.

Stehe mit dem Lincken fůß vor/
unnd halt dein Lincke hand auff dein Brust/
Sticht er dir demnach gegen deiner Kehl/
so versetz ihm den Stich starck von deiner Brust/
auff das glid hinder dem Dolchen/
und in der versatztung begreyff sein Rechte hand mit deiner Lincken/
und mit deinem rechten Arm greyff unden durch/
hinder seinem Elenbogen umb seinen rechten Arm/
und trit ihm vor mit deinem rechten Bein/
und wend dich auff dein Rechte seyten kurzumb/
uñ wirff ihn uber dein recht Bein.

Item ein anders/
Sticht er dir nach dem Hals/
das versetz als vor/
unnd in der versatzung fahr mit deiner Lincken hand aussen unden um sein rechten Arm/
also das du mit deiner Lincken hand wider von unden auff wider an dein Brust komest/
unnd mit deiner rechten Hand greyff under sein Elenbogen/
und heb also von unden auff so brichstu ihme den Arm.

Item ein stuck und Bruch/
Stichstu ihme zů dem Halß/
und er will dir umb den Arm fallen/
als vorgeschrieben stehet/
so zuck den stich gar wenig wenn der dich begreyfft/
und mit deiner Lincken hand greyff bald uber sein Lincke achsel/
und begreyff den ort am Dolchen/
so hastu ihm den Lincken Arm gefangen/
un wirff ihn also mit dem Dolchen vor dir nider/
oder greyff im nach der gurgel.

Ein Bruch auf das wenn er den Dolchen also bey dem ort wil greyffen/
so bald er uber fehrt mit dem Arm/
so greyff mit der Rechten hand seinen lincken Elenbogen/
unnd stoß den starck ubersich von dir/
hinder trit ihm ein fůß/
so felt er auff den rucken.

Merckestu das er dir den Mittelstich versetzen will/
so stich nit ferner dann an sein hand/
bey derselben fahr behend unden durch mit verkehrter hand/
also das der Knopff vorgehe/
und kom ihme also mit dem Rechten arm under sein Halß/
und trit in des mit deinem Rechten bein hinder sein Linckes beyn/
unnd mit deiner Lincken hand greyff inwendig ober dem Kni das Beyn/
und wirff ihn also uber dein Rechtes beyn.

Ein Bruch auff die verführung.

Ein Bruch auff das/
der dich also verführen will/
und kompt dir mit dem Arm also vor den Hals/
so begreyff bald mit deiner Rechten hand sein Rechte/
unnd mit deiner Lincken hand greyff sein Rechten Elenbogen/
und stoß den von dir/
und nim ime das gewicht
so fellet er auff die Nasen.

Stehe mit dem Lincken fůß vor/
und versetz ihme den Oberstich starck von der Brust/
mit deiner verkehrten hand/
und bleib also starck und hoch in der versatzung/
unnd greiff bald mit deiner Rechten hand hinder seinen Rechten Arm durch/
von unden auff/
unnd begreyff damit an dein Lincke hand/
auch trit hiemit behend mit deinem Rechten fůß wol auff sein Rechte seyten/
also das sein Arm mit dem Elenbogen auff dein Achsel kom/
truck also von dir/
so brichst ime den Arm/
und merck wann du also unden durch hast gegriffen an dein hand/
und trucks nider/
so magstu ihme den Dolchen nemen/
mit deiner lincken Hand.

Item ein anders/
Sticht er auff dich den Oberstich/
das versetz starck/
und als bald du versetzt hast/
so fahr uber seinen Arm gar umb/
das dein Lincke hand kom wider vor dein Brust/
und trucke den Elenbogen auch an die Brust.

Item ein anders/
Sticht er den Oberstich/
das versetze ihme starck mit der Rechten hand/
und mit solcher versatzung begreyff auch sein Rechte hand/
mit deiner Rechten verkehrten/
Ruck die zů dir umb/
und fall starck uber seinen rechten Arm in der mitte hinder dem Elenbogen/
und truck also von dir so brichst ihme den Arm.

Ein stuck im durchgehn.

Item im zůfechten nim den Dolchen in der mitte/
unnd führe von deiner Rechten ein Mittelstich under seinen Armen durch/
so komestu in die Linck Underhůt/
Sticht er nach/
so nim mit dem Knopff von dir auf/
und Stich ihm lang nach von deiner Lincke uber sein Rechte/
zů seinem Kopff oder gesicht.

Item in was stuck dir einer dein rechten Arm erwischt oder greifft/
es sey mit beyden oder einer hand/
so schlag ihm von unden starck auf in sein gelenck/
oder fall ihm aufwendig uber sein Arm/
mit stössen oder schlegen in sein gelenck/
Oder greyff ihn an mit Ringen.

Wann du mit einem zů thůn hast/
der einen Dolchen hat vor welchem du dich besorgest/
so fal ihm an die nechste hand mit gleicher hand/
als mit der Rechten seine Rechte/
sein Lincke mit deiner Lincken/
mit welcher hand du ergreyffest/
zů derselbigen Ruck im sein hand/
zuckt er als dañ mit der anderen hand seinen Dolche/
so greyff mit der andern hand aussen uber den selbigen Arm den du zů dir gezogen hast/
und ergreiff also den andern Arm bey der Mau(f?)/
wie der bossen gegen der Rechten hand in der figur D. anzeygt/
so kan er dich nit stechen/
ob e schon mit der selbigen hand den Dolchen gezogen hat/
magstu ihn also werffen oder andere brich für die hand nemen.

[Bildtafel D links hinten]

Suma das greiffen ist im Dolchen das fürnemste/
und werden die griffe nicht allein zů einer hand/
sondern auch zů beiden henden volbracht/
Damit du aber hieraus ein verstand haben mögest/
so wil dir solches durch etliche Exempel wider holen.

Der erste angriff.

Im zůfechten Sticht dir einer von Oben/
so fahr auff mit deiner Lincken verkehrten hand/
und fang ihm sein Rechte hand hinder seinem Dolchen bey dem glid/
reib ihm die umb von dir/
und trit mit dem rechten fůß wol zů im/
zůgleich in dem du also zů tritst/
dieselbige weil fahr mit deinem rechten Arm under seinem durch/
und hebe ubersich so brichstu ihm den Arm/
Auch kanstu aller hand stuck es sey mit dem Dolchen oder sonst im Ringen auff ihn treiben.

Der ander griff.

Sticht einer von Oben/
so fang ihm abermals seinen rechten Arm hinder seinem Dolchen bey seinem handgleich/
aber nicht wie vor mit verkehrter hand/
sonder grad zů mit offner hand/
also das im angreiffen der Daumen gegen seiner hand/
unnd der klein finger gegen seinem Arm stande/
wann du ihn auf solche weiß ergriffen hast/
so kanstu ihm den Arm von dir und zů dir schwencken/
schwenckestu ihn oder reibest ihn von dir/
so magstu die stuck auf ihn treiben/
welche mit verkehrter hand gefochten werden/
Reibestu im aber den/
gegen dir auff dein Lincke seiten/
so merck in dem du im also herumb Ruckest/
so wind solche volent für dein Brust/
und greiff mit deiner Rechten hand seinen Dolchen/
und ruck ihm den aus der hand/
oder in dem du ihn also sein hand ergriffen und zů dir gewendt hast/
so wende dich von ihm auff dein Rechte seiten/
und Stich ihm hinden herumb in die ank?/
und was dergleichen stuck mehr seind.

Der dritte griff.

Geschicht mit beiden henden/
also wann er auf dich her sticht/
das du deine hend kreuzweiß habest/
fang ihm also hand im gelenck zwischen den beyde hend auff/
Ruck die zů dir uff welche seiten du wilt/
demnach laß die ein hand ab und ledig/
doch das du ihn mit der anderen fest behaltest/
und greiff anderswo ferner an nach deinem gefallen.

Merck im zůfechten Sticht er von Oben herein/
so fahre mit deinem Lincken arm wol under den seinen/
fang ihm denselbigen auff/
winde im den selbigen von inwendig aussen umb seinen Arm/
und wende dich von ihm auff dein Rechte seiten/
so brichstu im den Arm/
wie du das/
an dem obersten bossen in der figur F. zůr Lincken hand sehen kanst.
[Bildtafel F oben hinten links]

Dieweil ich aber an einem andern ort vom Dolchen weiter schreiben werde/
so will ichs hie bey berůhen lassen/
und allein noch etliche Regel im fechten dienstlich setzen.

Die erste Regel.

Merck im zůfechten wann du deinen Dolchen gefast hast/
also das die klingen bey dem kleinen finger aufstehet/
du führest als dann dein Dolchen in was Hůt du wöllest/
es sey unden oder oben/
zůr Rechten oder Lincken/
so hab acht und fleisse dich/
das du ihm erstlich alwegen (es sey von innwendig oder von auswendig) uber seinen Arm stechest/
und mit solchem uberstechen ihm seinen Arm undersich Reissest/
und behendiglich zůr Blöß stechest/
oder mit dem Knopff stossest/
auff solche weiß wann du ihm aufwendig uber seinen rechten Arm stichst/
und ihm den undersich Reissest wie oben auch gemelt/
so fahr im behende mit deinem Knopff oberhalb seinem arm ubersich gegen seinem angesicht/
wehrt er dir das und fehrt auff/
so fahr ihm dieweil er noch auff fahrt/
under seinem Rechten arm durch/
unnd Stich ihm inwendig gegen seinem gesicht oder der Brust zů.

Stichst du ihm aber von inwendig uber seinen Rechten arm/
so Reiß den undersich gegen dir oder deiner Rechten seiten/
zuck uň Stich ihm behend von deiner Lincken aufwendig uber seinen Rechten/
auch ehe er mit dem arm wider auff komen ist/
durch sein gesicht/
Desgleichen soltu dich fürs ander befleissen gegen seiner hand und dem arm zů zůstechen/
es sey von unden uberzwerch oder von oben/
als dann folge mit kreuzstichen gewaltig nach.

Die ander Regel.

Die andere Regel ist Durchgehn/
also schicke dich in die Oberhůt/
und bleib starck in der versatzung/
mit ubersich aufgestrecktem arm vor deinem gesicht/
wann er auff dich her sticht/
nemlich von Oben oder schlims gegen deinem gesicht zů/
so bucke deinen Kopff mit gesencktem leib undersich/
und fahre mit deinem Dolchen (dieweil er hersticht) under seinem Arm durch/
in solchem durchgehn trit wol gegen der seiten/
gegen deren du durch gangen bist/
zůr seiten auß/
unnd Stich ihm oberhalb seinem Arm (dieweil er mit demselbigen nach herab fehrt) zů seinem gesicht.

Desgleichen soltu mit deinen Stichen auch durchwechseln/
also Stich im von oben schlims gegen seinem gesicht/
und merck als bald er aufffehrt dem stich entgegen/
so fahre mit deinem Dolchen behende unden durch/
und dieweil du unden durchwechselst/
dieselbige weil fahr auch mit der Lincken hand für dein gesicht/
seinem stich entgegen/
und stich ihm zůr andern seiten zůr blöß.

Die dritte Regel.

Ferner soltu auch wahrnemen und mercken/
das du von beiden seiten gewaltig/
nemlich mit Lincker und Rechter hand gegen einander unnd zůsammen fechtest/
also er steche dir von Lincker oder von Rechter/
von Unden oder Oben zů/
so fahr ihm mit der Lincken gewaltiglich dargegen/
und schlage ihm entweders seinem herkomenden Arm auf/
oder fang ihm den auff zůgleich aber in dem du mit Lincker hand also gewaltig zůgreiffest/
dieselbige weil ficht auch behendliglich zůr Blöß/
oder kom mit dem Rechten arm sampt deinem Dolchen im angreifen der Lincken zůr hilff/
damit du ihm seinen Rechten arm dester stercker aufwinden oder schwechen mögest/
und demnach ihm also dester baß mit deinem Dolchen zůr blöß komen könntest.

Desgleichen wann du mit deinem Dolchen versetzest/
du habest in dann auff deinem Rechten Arm ligen oder sonst/
so kome eilent mit der Lincken hand der Rechten zů hilff/
also das beide hend schier zůgleich antreffen/
und alwegen ein hand der andern folget/
und zů hilff komet/
damit du alle Brich und Ringen dester stercker und geschwinder in das werck bringen mögest.

Die vierde Regel.

Ist das verführen/
das treib also/
fasse deinen Dolchen in der mitte/
unnd führe deine Lincke hand vor deinem gesicht demselbigen zů schutz/
trauwe ihm als dann in einem sprung mit deinem Dolchen Knopff von Oben auff seinen Kopff zů stossen/
und nim wahr in dem er auff fehrt dem zů begegnen/
so zuck mit dem Knopff in solchem stoß vollen umb den Kopff/
und Stich im mit dem vorderen ort uberzwerch gegen seinem gesicht durch.

Item fasse deinen Dolchen das die klingen vor deinem Daumen aufgeht/
Stich im von oben gegen seinem gesicht her/
und in dem du ihm also zů seinem gesicht her stichst/
so versetze im/
und bewahr dich dieweil mit deiner Lincken hand/
fehrt er dieweil auch auff/
deinem stoß entgegen/
so volführe deinen stich nit/
sonder auff dem wege die weil du noch hinein stichst/
so verwende dein Oberstich in ein Understich/
unnd fahr ihm mit solchem stich under seinen Armen zům gesicht/
und Stich also lang vor dir hin/
her widerumb trauwe ihm unden zůstechen/
als bald er dem entgegen fehrt/
so verzucke den stich/
und führe denselbigen anderswo hinein.

Die fünffte Regel.

Die fünffte Regel lehrt dich aller hand angriff zů brechen/
welches geschicht auff zweierley art/
Erstlich mit aufwinden/
zům andern mit gegen greiffen/
das aufwinden treib also/
hat dir einer dein Rechte hand mit seine Lincken verkehrten hand ergriffen/
so wende eilents deinen Dolchen knopff ausserhalb seinem Arm under dem selbigen durch/
also das dein Dolchen knopff inwendig an seinem Arm oder flech zůstehen kome/
greiff auch mit deiner Linck zůgethonen faust unden an dein Rechte/
derselbigen zů hilff/
reiß also mit deinem Knopff mit hilff deiner beider hend inwendig seines Arms ubersich auf/
stich als daň ein Mittel uň Oberstich zůsame/
oder such sonst die Blöß mit andern stucke/
ergreifft er aber dir dein hand/
doch nicht mit verkehrter hand so zuck die selbige eilent zů dir/
unnd winde gegen seiner offenen hand/
bistu zů schwach/
so kom mit der Lincken abermals der Rechten zů hilff/
fürs ander hat dir einer dein Rechte hand seiner Lincken verkehrten hand ergriffen wie nechst gesagt/
so greiff mit deiner Lincken uber deiner Rechten an seinen arm/
ruck den also mit dein beiden henden zů dir/
so gewinestu im den schwanck und das gewicht ab/
magst als dann nach deinem gefallen weiter arbeiten/

Suma fleiß dich alwegen das du ihm den Arm mit welchem er dich angriffen hat/
mit deiner ledigen ergreyffest/
ruck also zů dir/
so nimstu ihm das gewicht so gewinestu deinen vortheil.

reiben = Mit einer gleichzeitigen Drehbewegung von sich weg führen.
schlims = Schräg
trauwe = Durch Körpersprache mit einer Handlung drohen
undersich = Nach unten
ubersich = Nach oben
zeuch = Ziehen
zwerchen = Schräg, quer

Vielen Dank an Carsten Loebeer von Ochs für die Übersetzungskorrektor.

Schreibe einen Kommentar