Eindrücke vom Dreynevent 2015

Donnerstag Mittag am Hauptbahnhof in Berlin. Ich stehe vollgepackt mit kleinem Koffer, Rucksack mit Proviant und Schwerttasche am Gleis.

Jetzt ist es endlich soweit. Das erste Mal fahre ich auf ein internationales HEMA Event. Aber es ist nicht nur ein HEMA Event, sondern das Dreynevent in Wien, welches in diesem Jahr zum 10. Mal stattfindet.

Die Veranstaltung ist immer sehr gut besucht und schnell ausgebucht. Ich war total happy, als ich offiziell angemeldet war. Die meisten Workshops und Vorträge standen frühzeitig fest und ich konnte mit meiner Planung beginnen – Welche Kurse will ich besuchen? Will ich den Zug nehmen oder fliegen oder vielleicht mit einem Mietauto fahren? Da Clemens bereits Zugtickets gekauft hatte, schloss ich mich ihm an. Für die Hinfahrt bekomme ich noch ein günstiges Ticket für den Zug mit Clemens; für die Rückfahrt leider nicht.

Ich bin ehrlich gesagt schon ein wenig aufgeregt, aber vor allem neugierig und gespannt. Clemens, der neben mir im Zug sitzt, geht es ähnlich. Die knapp 10 stündige Zugfahrt überbrücken wir mit Quatschen, Schlafen und aus dem Fenster schauen. Der Zug tuckert im Schneckentempo durch Tschechien. Zwischenzeitlich wollen wir mal beim Anschieben helfen 😉 Obwohl wir in Prag noch 20 Minuten Verspätung haben, schaffen wir unseren Anschlusszug in Breslav und kommen pünktlich in Wien an. Für mich bedeutet es leider wieder auch wieder, mein ganzes Zeug zu schleppen!

Warum habe ich mir nur das Lange Schwert ausgesucht und nicht etwa Ringen oder Dolchfechten?? Soviel Zeug! Ich hatte alles an Schutzausrüstung mit und das war noch nicht einmal genug, um beim Sparring Seminar von Axel Pettersson teilzunehmen. Also es geht noch mehr!! ;-)“

Clemens bietet mir netterweise seine Tragehilfe an, aber ich denke nur, “Wer soviel Zeug hat, kann es auch schleppen”. Tja, da weiß ich allerdings auch noch nicht, dass wir etwa eine Stunde in der Gegend bzw. im näheren Umkreis der Jugendherberge herum irren werden! Boah, wir wurden aus den Karten einfach nicht schlau ;-)! Völlig fertig und hungrig finden wir dann aber doch endlich die Jugendherberge. Wir teilen uns ein Zimmer; Sehr klein, aber wir sind ja schließlich nur zum Schlafen da. Also alles in bester Ordnung. Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer abgelegt haben, machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbaren. Ein anstrengender Anreisetag geht gegen Mitternacht zuende. Neben uns im Zimmer leider noch Party!

Am Freitag treffen wir gegen 9 Uhr an der Sporthalle ein. Am ersten Tag müssen wir uns noch anmelden und erhalten das mitbestellte Event T-Shirt und/oder nur eine Dreynevent 2015 Drinkflasche 🙂 Ich habe mir das Event T-Shirt 2015 mitbestellt. Die Sporthalle ist ca. 10 Minuten Gehweg von der Jugendherberge entfernt und befindet sich auf dem Gelände einer technischen Hochschule. Es gibt vier Hallen, zwei im Erdgeschoss und zwei weitere im zweiten Obergeschoss, dazwischen befinden sich die großzügigen Umkleidekabinen.

Für den ersten Tag habe ich mir zwei Workshops herausgesucht. Gleich um 10 Uhr will ich zu Heiko Meckbach’s Workshop “Zwerchhau” und um 16 Uhr dann zu Clemens Workshop “Dolchfechten in Joachim Meyer”. Bevor es allerdings mit den Seminaren losgeht, findet noch ein offizielles Willkommen von dem Dreynies Organisationsteam, was sehr amüsant inziniert ist. In diesem Jahr unter dem Motto “Fechtsicherheitsvideo à la Flugsicherheitsvideo” 🙂

In Halle 4 geht’s dann los mit dem Workshop zum Meisterhau “Zwerchhau”, der mir im Großen und Ganzen sehr gut gefällt. Da ich niemanden in dem Seminar kenne, muss ich mir einen Trainingspartner(in) suchen. Das ist schon ein wenig nervig, da die meisten Teilnehmenden oft schon zu zweit sind. Während der Aufwärmphase unterhalte ich mit einer anderen Teilnehmerin, die auch alleine ist, sodass wir die Übungen zusammen üben können. Puh, bin ich froh darüber. Ich will mich auch nicht gerne in eine 2er Gruppe “drängeln”. Das nächste Mal würde ich mir wünschen, wenn noch jemand aus meiner Lange Schwert Gruppe dabei ist.

Der Hauptinhalt des Seminars ist eine Variation des “Zwerchhau”. Der Trainer ist auch Linkshänder, wie ich! Endlich nicht umdenken, sondern einfach gleich loslegen. Leider bekomme ich schon das ein oder andere Mal etwas auf die Finger bzw. Hände und hätte doch mal meine dicken Sparringhandschuhe angezogen.

Nach dem Seminar ist Mittagspause angesagt. Beim Dreynevent ist das Mittagsessen in den Eventgebühren enthalten; auch gibt es Getränkekanister, Kaffee, Tee, Obst und Gebäck für Zwischendurch.

Bis zum nächsten Seminar um 16 Uhr, schaue ich mich in den verschiedenen Hallen um und betätige mich selbst mit ein wenig Ringensparring. Ich freue mich mit jemanden zu trainieren, der nicht zwei Gewichtsklassen über mir ist und zwei Köpfe größer ist als ich. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

In Halle 1 ist immer was los: Sparring und die selbst-organisierten Vorrundenkämpfe im Säbel und Langes Schwert Turnier, außerdem sind dort die Händlertische aufgestellt und das Equipment, Taschen etc. der Teilnehmenden (über das Wochenende können die dort liegen bleiben, sodass es nicht jeden Tag wieder zur Halle transportiert werden muss).

Um 16 Uhr ist Clemens mit seinem Dolchworkshop dran. Ich kann leider nicht zum wöchentlichen Dolchtraining von Twerchhau in Berlin gehen, sodass ich mich freue, wenn Clemens ein Seminar anbietet. Für mich ist es selbstverständlich ihn als Vereinsmitglied mit meiner Teilnahme dort zu unterstützen. Das Seminar ist gut strukturiert und übersichtlich, es gibt genügend Zeit die Angriffe und Versätze in Partnerübungen auszuprobieren. Harry von Dreynschlag ist als Übersetzer und Dummie eine gute Unterstützung. Ich bin aber schon sehr müde von dem Tag und den vielen neuen Eindrücken, sodass ich zum Schluss gar nicht mehr richtig folgen kann.

Nach dem Seminar ist Schluss für den ersten Tag beim Dreynevent. Abends gibt es ein gemeinsames Essen in einem Schrebergarten/Biergarten-Restaurant. Gut, dass wir eine geführte Tour bekommen, sonst hätte ich da nicht hingefunden! Leider wähle ich ein Gericht, was ich selbst deutlich besser kochen kann: Rote-Beete Risotto. Schade, aber der Abend ist trotzdem sehr entspannt. Wir sitzen zusammen mit zwei Leuten von KDF Deutschland und verstehen uns gut. Schnell steht fest, dass wir uns gerne außerhalb des Events in Wien weiter austauschen und eventuell in Zukunft auch gerne mal gemeinsam trainieren wollen. Der erste Tag beim Dreynevent geht wieder gegen Mitternacht zuende; diesmal ohne den Lärm von nebenan ;-).

Am Samstag will ich gleich um 10 Uhr zum Workshop “Going the distance” von Arto Farma gehen. An der Sporthalle angekommen, packe ich meine Sachen und begebe mich in die Halle 2. Leider ist dieser Workshop ziemlich überlaufen, sodass ich nach dem Warm-Up und den ersten Partnerübungen wieder gehe. Außerdem finde ich diesmal keine Übungspartner und für mich steht schon wieder fest, dass es besser gewesen wäre, wenn ich mit jemanden bekannten zusammen am Seminar teilgenommen hätte. Die Zeit bis 14 Uhr verbringe ich mit leichtem Sparring – Langes Schwert und Ringen, beim Sparring zu schauen und mit Leuten vom DDHF. Da ich mich als Mitstreiterin für die IFHEMA aufgestellt habe, will ich mich auch noch einigen anderen Mitstreitern vorstellen. Die sind alle sehr nett und entspannt. Ich freue mich auf die Mitarbeit in den Kommissionen und eine gute Zusammenarbeit mit dem DDHF, den ich in den Kommissionen vertreten werde.

Nach der Mittagspause geht es zum Zuschauen in das Seminar von Axel Pettersson “How to coach & use sparring properly”. Fürs mitmachen fehlt mir noch ein wenig die Sparringerfahrung, aber auch Mut es doch zu probieren und leider auch ein paar Schutzausrüstung (Anm.: z.B. Knie- und Ellbogenschoner), die ich mir aber sicherlich von der einen oder anderen hätte ausleihen können. Naja, das nächste Mal und wieder stelle ich fest, dass es für mich besser gewesen wäre, jemanden zu kennen! So sitze ich gemeinsam mit Clemens und Matze am Rand, schaue zu und mache mir Notizen, was sicherlich hilfreich für unser Sparring Training bei Twerchhau ist.

Nach dem Seminar gibt es die Vorstellung der Workshopleitenden. Ganz in der Tradition der Dreynies ist es mal wieder lustig und amüsant vorgestellt. Alle Trainer erhalten eine Mütze “Dreynevent 2015”. Im Anschluss folgen die Halbfinal und Finalkämpfe im Langen Schwert und Säbel. Der Finalkampf im Langen Schwert ist gut anzusehen, einige Techniken und gute Fußarbeit. Der zweite Tag am Dreynevent geht wieder gegen 18 Uhr für mich zuende. Ich glaube, es ist noch Zeit zum Sparring, aber ich bin wieder mal müde von dem Tag und freue mich auf die Dusche in der Jugendherberge.

Am Samstag Abend gehen wir wieder gemeinsam mit allen Teilnehmenden Essen. Diesmal gibt es Glühwein und klassische/typische österreichische Kost: Schnitzel mit Kartoffelsalat, Apfelstrudel. Sehr lecker.

Am Sonntag habe ich ursprünglich geplant zum zweiten Teil des Workshops “Going the distance” zu gehen und dann direkt von dort aus zum Bahnhof zu fahren. Doch hatten Clemens und ich überlegt, den Sonntag Vormittag zu nutzen, um die Waffen- und Rüstkammer zu besuchen. Am Samstag zwischen den Workshops war leider nicht genügend Zeit dafür. Doch wie es manchmal so ist, startet der Sonntag später als gedacht Wir sitzen noch länger beim Frühstück zusammen und kommen erst später los. Aber der Besuch ist auf jeden Fall nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, den es steht fest, das war nicht die letzte Reise nach Wien zum Dreynevent.

Um 13 Uhr sitze ich im Railjet nach Prag. Im nächsten Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei. Für mich hat sich die Teilnahme in vielerlei Hinsicht gelohnt. Ich habe einige nette Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft. Außerdem kann ich mich ein bisschen besser einschätzen und traue mich hoffentlich in Zukunft an mehr Workshops teilzunehmen und einfach mal Dinge auszuprobieren. Mit Clemens habe ich mich super verstanden. Aber wie im Bericht öfters erwähnt, würde ich mich freuen, wenn ich mit anderen aus meinem Verein an den Seminaren teilnehmen würde.

Für meine persönliche Weiterentwicklung nehme ich mir vor: Nicht mehr soviel auf der rechten verdrehten Seite zu üben, sondern nur noch Links fechten. 🙂 (Anm.: Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Außerdem mehr auf meine Fußarbeit achten und diese trainieren!

Dreynevent 2016 ich bin dabei.