Handschuhe für das Historische Fechten (mit Fokus Langes Schwert)

Hände sind Teil unserer Kraftübertragung auf das Schwert, aber auch unverzichtbar im Alltag. Deshalb ist der Schutz beim Training und im Freikampf mit Stahlwaffen besonders wichtig.

Um selbst herauszufinden, welche Schutzhandschuhe für mich am Besten infrage kommen, habe ich einfach so viele getestet, wie ich konnte. In diesem Beitrag findet ihr meine Einschätzungen zu den jeweiligen Produkten.

SPES Heavy Gloves 1


SPES – Heavy Gloves – ca. 160€

  • Schutz der Hand        +++
  • Schutz Handgelenk    +++
  • Beweglichkeit Finger  +
  • Handling am Schwert +/++
  • Tragekomfort               +++
  • Verarbeitung                +++
  • Schwachstelle: zu großer Handschuhkragen

Wer den bestmöglichen Schutz für seine Hände möchte, greift zu diesen Handschuhen. Einfach jeder Zentimeter Deiner Finger und sonstigen Handteile ist optimal geschützt. Selbst provozierte harte Schläge prallen unbeeindruckt an der Hartplastikschale ab. Der Schutzfaktor hat natürlich auch seinen Preis – die Mobilität der Finger leidet unter den umfassenden Fäustling. Auch blieb bei mir das ein oder andere Mal die Kreuzstange an der Plastikplatte zwischen Daumen und Zeigefinger hängen (kann aber bei Bedarf bspw. mit einer Pfeile angepasst werden). Aber im Fechten mit dem Langenschwert ist die Beweglichkeit der Finger ja eher zweitrangig. Den Unterarmkragen empfand ich als zu voluminös, denn er verringert die „Manövrierbarkeit“ in den oberen Huten. Positiv zu erwähnen ist der Tragekomfort, die Handschuhe sind zwar etwas schwer, jedoch hatte ich keine Druckstellen feststellen können. Der Innenhandschuh trägt sich angenehm.

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Neyman Thok 1

Neyman – Thok Gloves – ca. 165€

  • Schutz der Hand        ++/+++
  • Schutz Handgelenk    +++
  • Beweglichkeit Finger  +
  • Handling am Schwert +/++
  • Tragekomfort              +/++
  • Verarbeitung                +/++
  • Schwachstelle: Handgelenk

Die Thok Gloves werben mit einem separaten Zeigefinger, ursprünglich für Einhandwaffen entwickelt sollen sie trotzdem bei Schwertkämpfern beliebt sein. Die Verarbeitung ist eher mittelmäßig. Das Schutzmaterial ist aus einer Art Hartgummi, welcher in der Innenseite stark auf der Haut drückt. Bei meinen Thoks musste ich einen Handschuh darunter tragen. Dann stört das harte Material nicht weiter. Der Handschuhkragen ist bei Neyman eher kurz, was beim Tragen eines Gambis ein Vorteil ist. Die größte Schwachstelle ist das Handgelenk. Dieses ist nämlich völlig ungeschützt und ist lediglich von einem etwas dickerem Stoff überzogen. Einen weiteren Schwachpunkt sehe ich in der Größentabelle von Neymann, trotz genauer Messung war die gelieferte Größe L viel zu groß für meine Hand. Darunter litt die Beweglichkeit wie bspw. im Daumengriff. Letztlich habe ich mich in diesen Handschuhen nicht wirklich sicher gefühlt. Bei einem Vereinsmitglied hat sich das Leder der Handschuhinnenseite leider sehr schnell gelöst – Garantieabwicklung mit Neyman bleibt noch abzuwarten.

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Sparring Gloves The Hoof 1

Sparring Gloves – The Hoof – ca. 170€

  • Schutz der Hand         +++
  • Schutz Handgelenk     ++
  • Beweglichkeit Finger   ++
  • Handling am Schwert  +/++
  • Tragekomfort               ++
  • Verarbeitung                ++
  • Schwachstelle: Mittel- und Ringfinger

First things first, ich mag das Design und das Logo von SG. Das Logo wirkt modern, erinnert aber trotzdem an die Tudorrose.

Die Verarbeitung ist besser als bei den Thok von Neyman (beides polnische Hersteller), denn man kann diesen auch ohne Zweithandschuh tragen. Dennoch trage ich einen gepolsterten Handschuh in den Sparring Gloves, was den Tragekomfort ohne Gambi erhöht. Mit Gambi wird es allerdings etwas eng. Besonders durch den langen und gut anliegenden Handschuhkragen, der hier schon eher ein Unterarmschutz ist, wird das „schnell in die Handschuhe schlüpfen“ zu einer etwas längeren Ankleidungs-Aktions. Nichtsdestotrotz trotz gehören diese Handschuhe  einer meiner aktuellen Favoriten. Es gibt sich auch in der „Lobster“ Variante als Fäustling, hier entfällt die Schwachstelle zwischen Ring- und Mittelfinger, aber auch die Fingerbeweglichkeit nimmt ab.

Weiterhin gibt es die Handschuhe mit aufgenähten Lederstreifen, oder wie bei mir, mit Kunststoffband. Dieses franste bei mir relativ schnell. Mit meinem Lötkolben konnte ich zwar eine saubere „Schmelzlinie“ erzeugen, aber das ist ja eigentlich nicht meine Aufgabe.

Nach jetzt 4 Monaten normalen Gebrauchs (ca. 30h Tragestunden) ist das Material im Inneren des Handschuhs durchgerieben. Diesen starken Abrieb kann ich mir nicht erklären, denn ich habe weder scharfe Kanten an meinem Gehilz oder Pommel, noch habe ich mich mit Halbschwerttechniken an schartigen Klingen probiert. Garantieabwicklung mit SG bleibt abzuwarten, der Kontakt zum Distributor Trainingschwert.eu lief sehr reibungslos.

 

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Neyman – Inigo Montoya 2 Version 1

 Neyman – Inigo Montoya 2 Version – ca. 190€

  • Schutz der Hand         +++
  • Schutz Handgelenk     +(+ mit Zusatz)
  • Beweglichkeit Finger   +++
  • Handling am Schwert  +++
  • Tragekomfort               ++
  • Verarbeitung                +++
  • Schwachstelle: evtl. Schläge zw. die Finger

Nach über 3 Monaten Wartezeit kann ich meine Liste erweitern. Die Inigo Gloves gibt es in einer Light und in einer Heavy Variante für den Schwertkampf.
Der Kundensupport bei Neymann war sehr kommunikativ, ich bin bestimmt nicht der einfachste Kunde, besonders nicht, wenn ich so lange auf ein Produkt warten muss und immer wieder vertröstet werde. Aber Neymann hat stets sehr schnell geantwortet und auch etwas für die Wartezeit draufgelegt, so habe ich einen zusätzlichen Gelenkschutz (nicht auf den Fotos) und mein eigenes Wappen auf den Gloves bekommen. Man muss die Jungs allerdings mehr als zweimal an ihre Versprechen erinnern.

Ich fasse hier die Fakten der zweiten Version zusammen: Die Verarbeitung finde ich hier besser als bei den Thok Gloves, denn bei diesen ist der Innenhandschuh fest vernäht. Der Lederhandschuh trägt sich auch angenehm. Beim ersten intensiven Test haben sich zwar ein paar Blasen an den Fingern gebildet, aber ich denke, das Material muss erst noch eingearbeitet werden. Die Hand liegt in der zweiten Version viel besser im Schutzhandschuh und wird durch einen neuen Verschluss in der Handfläche gehalten. Die Knoten drücken nicht mehr so und die Plastikplatten sind dünner, aber schützen genau so gut wie die alten. Weiterhin sind Daumen und die restlichen Fingerkuppen nun besser verarbeitet.

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Progauntles –  – ca. 300€

  • Schutz der Hand         ???
  • Schutz Handgelenk     ???
  • Beweglichkeit Finger   ???
  • Handling am Schwert  ???
  • Tragekomfort               ???
  • Verarbeitung                ???
  • Schwachstelle: ???

Ich hoffe ihr könnt euch einen Überblick verschaffen.
Beste Grüße Tom

 

Schnuppertag 2015 – Rückblick

Am Samstag den 14.11.2015 haben wir zum zweiten Mal zusammen mit dem BFB, vor allem dem PSV Berlin Fechten und dem HTW ein Schnupperwochenende veranstaltet.
Im Gegensatz zum letzten Jahr, war der Schnuppertag dieses Jahr öffentlich. Ging es bei der Veranstaltung im letzten Jahr noch darum den Sportfechtern das Historische Fechten, und den Historischen Fechtern das Sportfechten näher zu bringen, ging es in diesem Jahr darum externen Interessierten einen Eindruck vom Fechten zu vermitteln.
Dazu haben verschiedene Trainer vom HTW, vom PSV Berlin Fechten und dem Twerchhau, Workshops angeboten. Bei denen sich die Interessierten, in jedem der ca. 2.5 stündigen Workshops, einen ersten Eindruck über die Möglichkeiten der jeweiligen Waffe verschaffen konnten. Dieses Jahr standen Dolch (Twerchhau), Langes Schwert (HTW/Twerchhau), Schwert und Buckler (Twerchhau) und das Sportfechten ( PSV Berlin) auf dem Programm.
Von der Resonanz her waren alle drei ausrichtenden Vereine sehr zufrieden. Und ich denke es ist uns gelungen den interessierten einen Eindruck der jeweiligen Fechtkunst zu vermitteln und bei dem einen oder anderen auch Interesse geweckt zu haben. Auf jeden Fall ist es geplant die Veranstaltung auch nächstes Jahr wieder auszurichten.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei den Trainern Thomas (HTW), Thomas (PSV Berlin), Steffen (PSV Berlin), Benjamin (Twerchhau), Ralf (Twerchau). Dennis (Twerchhau) danke ich für die Unterstützung beim Dolchkurs. Sowie Ariane für das fleißige Filmen und fotografieren und Joachim für die Super Organisation (beide Twerchhau). Und natürlich all denen die das Angebot genutzt, und die angebotenen Workshops besucht haben.

Herzlich Willkommen!

titel

Der Twerchhau e.V. ist ein Ende 2010 in Berlin gegründeter Fechtverein, der sich mit den historischen europäischen Kampfkünsten, auch Historisches Fechten genannt, beschäftigt.
Seit 2011 sind wir Mitglied im Berliner Fechter Bund und seit April 2015 auch im Deutschen Dachverband Historischer Fechter.
Die Grundlage für unser Training sind sogenannte „Fechtbücher“ aus dem europäischen Mittelalter und der Renaissance, die bis in die heutige Zeit überliefert wurden. Mit Hilfe dieser Bücher und moderner Schutzausrüstung versuchen wir die alten Techniken und Prinzipien vom europäischen Schwertkampf zu rekonstruieren. Ziel des Vereins ist es, die fast vergessene Kunst des Fechtens zu verstehen, zu lernen und zu erhalten. Das Training findet bei uns fünf mal die Woche statt und hat regulär das Fechten mit dem Messer und dem Dolch, den Schwertkampf mit dem Langen Schwert sowie Schwert und Buckler und das Ringen zum Inhalt.
Zusätzlich findet einmal im Monat ein Projekttraining statt, in dem wir uns mit der Mordaxt beschäftigen.

Interessierte sind uns herzlich Willkommen. Ihr könnt bei uns ein vierwöchiges Probetraining absolvieren und Euch erst mal alles anschauen, bevor Ihr euch entschließt, dem Verein beizutreten. Solltet Ihr jetzt Lust bekommen haben, das Historische Fechten einmal auszuprobieren, nehmt einfach Kontakt mit uns auf.

Kont@kt aufnehmen

Die Trainingszeiten und Adresse der Turnhalle

Mitgliedsantrag, Trainingsordnung und Satzung

 

Eindrücke vom Dreynevent 2015

Donnerstag Mittag am Hauptbahnhof in Berlin. Ich stehe vollgepackt mit kleinem Koffer, Rucksack mit Proviant und Schwerttasche am Gleis.

Jetzt ist es endlich soweit. Das erste Mal fahre ich auf ein internationales HEMA Event. Aber es ist nicht nur ein HEMA Event, sondern das Dreynevent in Wien, welches in diesem Jahr zum 10. Mal stattfindet.

Die Veranstaltung ist immer sehr gut besucht und schnell ausgebucht. Ich war total happy, als ich offiziell angemeldet war. Die meisten Workshops und Vorträge standen frühzeitig fest und ich konnte mit meiner Planung beginnen – Welche Kurse will ich besuchen? Will ich den Zug nehmen oder fliegen oder vielleicht mit einem Mietauto fahren? Da Clemens bereits Zugtickets gekauft hatte, schloss ich mich ihm an. Für die Hinfahrt bekomme ich noch ein günstiges Ticket für den Zug mit Clemens; für die Rückfahrt leider nicht.

Ich bin ehrlich gesagt schon ein wenig aufgeregt, aber vor allem neugierig und gespannt. Clemens, der neben mir im Zug sitzt, geht es ähnlich. Die knapp 10 stündige Zugfahrt überbrücken wir mit Quatschen, Schlafen und aus dem Fenster schauen. Der Zug tuckert im Schneckentempo durch Tschechien. Zwischenzeitlich wollen wir mal beim Anschieben helfen 😉 Obwohl wir in Prag noch 20 Minuten Verspätung haben, schaffen wir unseren Anschlusszug in Breslav und kommen pünktlich in Wien an. Für mich bedeutet es leider wieder auch wieder, mein ganzes Zeug zu schleppen! „Eindrücke vom Dreynevent 2015“ weiterlesen

Fechtvorführung im Märkischen Museum 2013

Auch dieses Jahr hat sich der Twerchhau e.V. wieder an dem Familientag im Märkischen Museum beteiligt.
Dabei haben wir Vorführungen im Langen Schwert, dem Bucklerfechten und im Dolchen gegeben. Und auf einem Ausstellungstisch verschiedene Sachen wie Schwertsimulatoren, Buckler, Fechthandschriften etc. ausgelegt, die mit dem Historischen Fechten zu tun haben.
Sowohl das Museum, als auch wir waren mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. So das wir die Zusammenarbeit voraussichtlich auch im nächsten Jahr fortführen werden.

 

Der Griff an der Waffe

jedes Werkzeug hat seine Eigenart in der es ergriffen werden will, bzw. eine Art es zu greifen mittels welcher sich das Werkzeug am geschicktesten benutzen lässt.
Und eine Waffe wie z.B. ist in erster Linie nichts anderes als ein Werkzeug. Die meisten Leute greifen ein Schwert zunächst einmal wie einen Stock und umschließen diesen mit der ganzen Faust. Ein Brotmesser dagegen fassen sie ganz anders an, bei diesem unterstützen sie das Schneiden mit dem Daumen, oder Zeigefinger, meist jedenfalls.
Nun hat ein Schwert natürlich auch etwas von einem Stock, aber eigentlich noch mehr von einem Brotmesser. Denn wir wollen mit ihm den Gegenüber nicht totschlagen, sondern eher zerschneiden.
Im folgenden will ich Abbildungen aus historischen Fechtbüchern sammeln welche den Griff nicht mit der gesamten Faust umschließen, was natürlich auch vorkommt. Sondern alternative Griffmöglichkeiten darstellen.

Das Messer

Der Dolch

Das einhändig geführte Schwert

Das Lange Schwert

Wird fortgeführt.

Die Drei Wunder Berlin

Das Fechten mit dem Langen Schwert in Berlin

Wir wollten ja schon lange auch das Fechten mit dem Langen Schwert betreiben, wussten aber nicht, wie wir auch das noch in den zwei Trainingstagen, welche wir bisher zur Verfügung haben, unterbringen sollten.
Aber das Leben meinte es anscheinend gut mit uns und wir lernten die Gruppe „Drei Wunder Berlin“ kennen.
Diese trainieren in Berlin-Kreuzberg das Fechten mit dem Langen Schwert. Abgesehen davon das sie alle sehr nett sind, finde ich das Training sehr gut aufgebaut und durchdacht. Nach dem Training habe ich immer nur zwei Wünsche: Essen und Schlafen 😉
Hier geht es zur Webseite der Drei Wunder Berlin, sie befindet sich noch im Aufbau, sodass es dort noch nicht so viel zu sehen gibt. Das wird sich aber ändern und man findet dort auch schon eine Kontaktadresse.

Veröffentlichung: Langes Schwert und Schweinespiess

Ein Faksimile einer anonymen Fechthandschrift aus den verschütteten Beständen des Historischen Archivs der Stadt Köln von Matthias Johannes Bauer

Ich wurde gestern auf dies Buch aufmerksam gemacht, ich kenne es zwar nicht, finde aber, dass es sich sehr interessant anhört.
Die Handschrift stammt aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Der Inhalt besteht aus reinem Text und in ihm wird der Umgang mit dem Lange Schwert, dem Messer im Ringen, Stangenwaffen und dem Schweinespiess gelehrt.

Verlag: Akademische Druck- u. Verlagsanstalt

ISBN-13: 978-3201019200

Gibt es hier zu kaufen.