Eine Mordaxt mit Holzkopf anfertigen

Ich habe mir eine Mordaxt mit einem Holzkopf angefertigt. Zum einen natürlich weil ich Lust dazu hatte, zum anderen aber auch weil die Hartgummiteile an den üblichen Mordaxtsimulatoren aufgrund des Materials auch Nachteile haben.
Das eine ist das Bindungsverhalten wenn zwei Gummiaxtköpfe aneinander angebunden haben, das andere sind die Dornschläge. Befindet man sich mit den Gummiaxtköpfen in der Bindung, Kopf an Kopf, ist es des öfteren recht fricklich sich daraus zu lösen, da sich die Gummiköpfe ein wenig aneinander fest saugen.
Als Dorn für die Mordaxt wird im allgemeinen ein Hartgummispeerspitzensimulator (was für ein Wort) verwendet. Womit Dornschläge praktisch unmöglich sind. Wird die hohle Gummispeerspitze vom Schaft nicht ganz ausgefüllt, biegt sie sich einfach durch. Ist sie ganz vom Schaft ausgefüllt, hat man das Holz soweit herunter gehobelt hat, das es dabei einfach brechen würde. Aber auch wenn er nicht brechen würde, dämpft der Hartgummi den Hau so sehr das nur ein Plopp ankommt. „Eine Mordaxt mit Holzkopf anfertigen“ weiterlesen

-TNT- 06.07.2019 Twerchhauer Novizen Turnier

Am 06.07.2019 veranstalteten wir einen kostenlosen Einstieg in die Welt der Turniere! Jeder mit max. 2 Jahren Erfahrung und nur einer bisherigen Turnierteilnahme in der jeweiligen Simulatorengattung, war herzlich willkommen daran teilzunehmen. 

Es traten insgesamt 14 Teilnehmer aus Dresden, Leipzig, Berlin und Twerchhau in einem Turnier für das Langschwert sowie dem Säbel an. Gefochten wurde nach dem HALAG-Regelwerk des DDHFs.

42 Runden lang wurden mit dem Langen Schwert die anschließenden KO-Runden erfochten, zu denen die nur 8 besten Fechter Zugang hatten. Und diese waren aufgrund des erstaunlich hohen Niveaus sehr spannend! Am Ende gab es einen 2. Treppchensieg für einen unserer Mitglieder: Nicos Calligaris. Tolle Leistung! Platz 1 ging an Till Balbach von der HTW und Platz 3 an Markus Köhler von dem Schwertspiel Dresden e.V..

Anschließend gabe es noch ein kleines Turnier im Säbel mit drei Teilnehmern. Platz 1 ging an unseren Maximilian Rogge und Platz 2 an unseren Abdullah Ilhan. Gratulation euch beiden! Platz 3 an Sascha Lässig, einem unserer externen Gäste. 

Die Zeit verging viel zu schnell, weswegen wir den Nachmittag dann noch gemeinsam bei einem schönen Essen ausklingen ließen! Es war toll und danke auch an alle unsere Mitglieder, die so tatkräftig bei diesem Turnier geholfen haben!

Hans Heim Messerkurs 2018

An den Tagen vom 05.05.-6.05.  hat der Twerchhau e.V. mit Hans Heim [Ochs – Historische Kampfkünste e.V.] eine Koryphäe des mittelalterlichen Kampfes für einen Wochenendworkshop zum Thema „Langes Messer“ gewinnen können. Neben Mitgliedern des Twerchhau e.V. haben uns viele weitere interessierte Liebhaber des „Langen Messers“ aus ganz Deutschland in unserer Trainingshalle in Berlin für einen beiderseitigen Wissens- und Technikaustausch aufgesucht.

Natürlich haben wir unsere Freunde, aus wie z.B. Leipzig oder Bremen, mit offenen Armen empfangen und den ersten Tag des Workshops entspannt in einer geselligen Runde bei Speis und Trank ausklingen lassen, um alsbald bereit für den kommenden Tag zu sein.

Wie Hans selber sagte, sind die drei Ziele des Seminars, Spaß zu haben, etwas zu lernen und das Seminar gesund und munter zu beenden. Spaß an den neuen Techniken und dem Training mit Gleichgesinnten hatten wir zur Genüge. Zudem ließen uns die neuen und lustigen Übungen zur Schulung der fechterischen Leichtfüßigkeit, viele Male auflachen.

Aber natürlich haben wir durch Hans auch einen großen Einblick in die Techniken von Lecküchner bekommen. Unteranderem wurden der Zornhau-Ort-Komplex, der Wecker, der Bogen, der Winker, der Entrüsthau, Übungen zum Ringen mit und ohne Messer sowie Entwaffnungen abgehandelt.

Am Sonntag haben wir das Seminar müde, aber zufrieden, mit viel neuem Wissen und vor allem heil beendet. Nun gut, fast heil, ein paar Blauflecke beim Ein oder Anderem kann man bei einer Kontaktsportart kaum vermeiden. Und einen Punkt, den man sich wie Hans meint immer merken sollte: Um Verletzungen beim Kämpfen zu vermeiden, ist ein Schritt nach hinten durchaus ein angemessener Fechtschritt!

Zum Abschluss danken wir Hans Heim [Ochs – Historische Kampfkünste e.V.] nochmals ganz herzlich für hervorragend durchgeführte Seminar und das tolle Wochenende im Namen aller Teilnehmer und des Twerchhau e.V. Wir hoffen, dass wir Hans bald wieder für uns gewinnen können. Vielen Dank.

English Version

On 5th and 6th of May, by invitation of Twerchhau, Hans Heim, master of medieval fighting, and more specifically – long knives, has held a two day workshop in Berlin.

Twerchhau has provided an organisational support and invited interested long knives lovers to join us for a knowledge sharing weekend. 

Our friends came from as far as Leipzig and Hamburg to train and fight. We welcomed them with open arms both during the event and afterwards on unofficial dinner and drinks that followed. 

Main goals, as Hans himself said, were to have fun, to learn and to be safe. We had all three.

New and fun ways of learning the movements were inspiring and often left us laughing. One can not guess how much of fighting is there in dancing tango, imitating a gorilla or using carrots as a weapon! (some of us ate the carrots, please do not do that with real long knives!)

We have learned some new interpretations of attacks, parries and counters. Slowly building from basic hit and parry to taking opponents weapon in unarmed combat. Topic have also covered wrestling, twists. We have followed the manuals that are centuries old to reproduce the moves and learn from those.

On Sunday we have finished the workshop tired, but all in one piece (exept for a bruise or seven) but that is how it always is in contact sports.

To avoid injuries when fighting it is important to remember that moving a step back is a valid fighting step! Also, if you are unarmed fighting an armed person, first option should always be to run away. Safety first!

We would like to thank once again Hans Heim for a wonderful weekend and all our friends that joined us for it. We hope to have again such a nice and  productive weekend soon!

Messerfedern

Als wir nach Messerfedern gesucht hatten, mussten wir leider feststellen das, das Angebot dafür eher rar ist. Fündig wurden wir nur bei Regenyei Armory und Ensifer.
Um unseren Vereinsmitgliedern die Kaufentscheidung zu erleichtern, haben wir sowohl von Ensifer als auch von Regenyei jeweils zwei Federn bestellt. So können unsere Mitglieder die Federn testen, bevor sie sich für eine der beiden entscheiden. Um auch anderen Interessierten die Entscheidung etwas zu erleichtern, will ich die Federn der beiden hier kurz vorstellen. Wobei meine Sicht auf die Federn natürlich nur meine persönliche ist.

Regenyei Armory – Messerfedern

Die Messerfedern von Regenyei sind ein Werkzeug. Sie sind nicht auf Schönheit ausgelegt, sondern darauf ihren Zweck zu erfüllen.
Die leicht gebogene Metallmatte Klinge ist mit einer am Kreuz gemessenen Breite von 3 cm recht schmal. Wodurch die Häue im Freigefecht etwas weniger wuchtig einschlagen als die der Ensifer Feder. Im Stich gibt die Regenyei Feder dafür recht widerwillig nach. Man muss schon ordentlich zustechen damit sich die Klinge durchbiegt. Was es mich sich bringt das harte Stich vom getroffenen oft als weicher wahrgenommen werden, als halbherzige Stiche. Der nach oben umgebogene Ort macht die Feder zwar nicht schöner, ist aber eine sicherheitstechnisch vernünftige Maßnahme. Da so neben der Flexibilität der Klinge eine weitere Sicherheitsmaßnahme getroffen wurde, um Verletzungen durch Stiche möglichst auszuschließen.
Das Griffstück ist mit seinen 17 cm recht kurz geraten. Es hat am Kreuz eine Kantenlänge von 2,00 cm x 2,00 cm und verbreitert sich zum Knauf hin auf 2,5 cm x 2,5 cm.
Die Messerfeder von Regenyei ist wie gesagt keine Schönheit. Hätte sie keinen Nagel und nicht diesen kleinen Haken am Knaufende, würde ich nicht sofort erkennen das es sich dabei um einen Messersimulator handelt. Aber sie ficht sich ganz gut und tut das wofür sie gemacht ist.
Das einzige was mir an der Feder einfach nicht gefallen will ist das Griffstück. Die sich nach hinten verbreiternde „quadratische“ Form sorgt dafür das man die Feder in dicken Handschuhen sicher greifen kann und sie einem, auch wenn man erschöpft ist, nicht so leicht aus der Hand rutscht. Der Preis dafür ist jedoch leider das dass Heft dadurch klobig in der Hand liegt und einen Griffwechsel nur äußerst widerwillig zulässt.

Klinge: 72,5 cm
Ort: Zurück gefaltet
Klingenbreite am Kreuz: 30 mm
Kreuzstange: 14 cm
Griffstück inklusive Pommel: 17 cm Gewicht: ca.975 Gramm PoB: ca. 7,5 cm vor dem Kreuz

Preis: Inklusive Versand 235,00€ (Zu dem Zeitpunkt an dem wir sie gekauft haben)

Ensifer – Messerfeder

Wo die Regenyei Feder ein Werkzeug ist, die Ensifer Feder eine Schönheit. Die Klinge hat, mit am Heft 3,8 cm, die durchschnittliche Breite eines Messers, ist hochglanzpoliert und hat einen gerade ausgeführten Ort. Das Kreuz mit dem integrierten Nagel ist sehr schön gearbeitet und der Wehrnagel sehr gefällig ausgeführt. Sieht man die Feder vor sich liegen hat man den Eindruck ein Messer vor sich zu haben … bis auf das Griffstück, das mich mit einer Schnurumwicklung an mein altes Tanto erinnert.
Von der Grundform her hat das 17 cm lange Griffstück die Form eines Messergriffs mit stark gebrochenen Kanten. Für meine Hände hat das Heft genau den richtigen Umfang. Liegt gut in der Hand und ich kann daran geschmeidig von einer Griffposition in die andere wechseln. Ob ich die stark gebrochenen Kanten mag weiß ich noch nicht so recht. Vom Kreuz bis unter den Haken des Knaufstücks, das aus Holz besteht, ist das Heft mit einer schwarzen Schnur umwickelt. Wobei die Schnur auf dem sich darunter befindlichen Griffstück spürbar nur aufliegt. Wenn man ohne Handschuhe umgreift und z.B. in den Säbelgriff wechselt, merkt man das sich die Schnur unter dem Daumen bewegt. Was ein leicht schwammiges Gefühl vermittelt.

Das die Klinge breiter als die der Regenyei Feder ist, merkt man auch wenn man mit ihr die ersten Lufthäue macht. Sie lässt sich etwas schwerer stoppen als die Regenyei Feder und schlägt damit im Freigefecht auch etwas Druckvoller ein als diese. Im Stich dagegen scheint sie mir etwas weicher zu sein als die Feder von Regenyei.
Fechterisch steht die Ensifer Feder der Regenyei Feder in nichts nach. Zwar merkt man nach ein paar Runden Freigefecht das die Griffarchitektur von Regenyei durchaus eine Berechtigung hat, denn mit zunehmender Erschöpfung wird es schwerer sie sicher in der Hand zu halten. Aber so ist das nun mal beim Messer. Dafür behindert das Heft jedoch nicht den Griffwechsel. Was ein klarer Pluspunkt ist. Trotz dicker Handschuhe war es mir gut möglich in den ersten paar Runden Freigefecht am Heft umzugreifen.

Gesamtlänge 90cm
Klingenlänge 72 cm
Gewicht 820 g
PoB: 14 cm vor dem Kreuz
HRC: 48-50
Preis: Inklusive Versand 381,00€ (Zu dem Zeitpunkt an dem wir sie gekauft haben)

 

Was ich bei beiden Herstellen schade finde ist das sie die Griffe ihrer Messersimulatoren mit eigenen Griffgestaltungen versehen. Anstatt sie einfach so zu gestalten wie sie gewesen sind. Wobei Ensifer noch sehr nahe dran ist. Das Griffstück von Regenyei dagegen hat mit einem Messergriff nicht mehr sehr viel zu tun.

Die Fußarbeit bei Joachim Meyer und Achilles Marozzo

Sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo, ein italienischer Zeitgenosse von Joachim Meyer, weichen in Ihrer Fußarbeit von der früherer Fechtmeister ab.
Die Fechtmeister des 15. Jahrhunderts stehen in der Ober-, und Mittelhut mit dem linken Fuß vorn und halten ihren Dolch dabei hinten. Um aus dieser Hut zu attackieren führen sie einen Passierschritt aus, bei dem der rechte Fuß und die Waffe nach vorn kommen.
Joachim Meyer und Achilles Marozzo dagegen haben in diesen beiden Huten den rechten Fuß, und ihren Dolch vorn. Wenn sie aus diesen Huten attackieren, tun sie das mittels eines Gleitschritts, bei dem der rechte Fuß vorn bleibt. „Die Fußarbeit bei Joachim Meyer und Achilles Marozzo“ weiterlesen

Einen Mordaxtsimulator Schäften

IMG_2367Als Köpfe für die Simulatoren haben wir uns für die in diversen Onlineshops erhältlichen Gummiköpfe entschieden. Sie haben im Gegensatz zu selbst gebastelten Köpfen aus Schaumstoff, oder ähnlichen Materialien, den Vorteil das sie in etwa an das Gewicht eine Mordaxtkopfes heran kommen. Die Lösungen aus Schaumstoff sind viel zu leicht und verfälschen damit das Bild der Waffe.
Da die Gummiköpfe ohne Schaft kommen, muss man sie noch Schäften. Als Schaft haben wir uns für einen Schaft aus Eschenholz entschieden. Die Form soll rechteckig sein, da diese Form gegenüber runden oder quadratische, einen deutlichen Vorteil hat Ich merke schon beim anpacken des Schaftes wo sich die Köpfe der Axt befinden. „Einen Mordaxtsimulator Schäften“ weiterlesen

Tegen / Degen / Dolch / Tolch / Kurzes Messer

Die sprachliche Differenzierung der unterschiedlichen Formen dieser Waffe.

Es mag albern sein, aber ich mag es nicht wenn ich Dinge nicht eindeutig benennen kann. So geht es mir manchmal mit Dolchen.
Denn als Dolch wird eigentlich fast jede, dem kurzen Messer ähnliche Waffe bezeichnet, die in den Handschriften behandelt wird.

Dolch im Codex Wallestein
Dolch im Codex Wallestein

So sprechen wir Historischen Fechter, die in den Handschriften des 15. Jahrhunderts verwendeten Waffen als Doch an, obwohl die Bezeichnung Dolch für diese Waffenform damals noch gar nicht geläufig war. Wobei Historische Fechter wenn sie von einem Dolch sprechen, in der Regel eine reine Stichwaffe meinen. Erst die Verfasser der Fechtschriften des 16. Jahrhunderts, bezeichnen diese Waffe im weitesten Sinn als Dolch.
Und obwohl diese Waffen sich teilweise ziemlich unterscheiden, sprechen wir sie alle einfach als Dolch

an. Das Problem dabei ist, das dies alles andere als eine klare Ansprache für eine Sache ist. Den bei dem Wort Dolch, hat dann vielleicht mein Gesprächspartner vielleicht eine anderes Bild vor seinem

Dolch im Thott 290 2
Dolch im Thott 290 2

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Das kurze Messer und das Dolchmesser

Wenn ich Gedanken um das Dolchfechten machte, hatte ich dabei stets einen Dolch mit einem kantigen Klingenprofil vor meinem inneren Auge. Und zog damit auch die Eigenschaften einer solchen Waffe in diese Überlegungen mit ein. Eine Schneide an der Waffe spielte dabei eigentlich eine eher untergeordnete Rolle.
Nachdem ich aber einen Hodendolch in der Hand hatte der über eine Schneide verfügt, fand ich das Teil erst mal erschreckend. Und dachte, das man die Eigenschaften einer solchen Waffe im Training eigentlich nicht einfach ignorieren könne.
Deshalb habe ich begonnen in den Fechtschriften vermehrt auf Details zu achten, die sich auf die Verwendung eines Dolches mit Schneide, bzw. des Kurzen Messers zu beziehen, … ich war überrascht. „Das kurze Messer und das Dolchmesser“ weiterlesen

Eine Dreikantige Dolchscheide fertigen

Die folgende Scheide baue ich in Anlehnung an eine dreikantige Dolchscheide die im Deutschen Historischen Museum in Berlin liegt, unter der  IMG_1320Inventarnummer W 2344.a-b geführt wird und auf um 1500 datiert ist.
Aber zuerst mal vielen Dank an Marcial, ohne den ich die Scheide gar nicht gebaut hätte, da ich von Ihm sowohl den Hinweis auf dreikantige Scheiden generell, als auch den Hinweis auf die Dolchscheide im DHM bekommen habe.

Die Dolchscheide im DHM ist auf um 1500 datiert. Sie besteht aus einem dreieckigen Holzkern mit einem schwarzenIMG_1332 Lederüberzug. Der Holzkern besteht aus drei Furnierstreifen die nicht miteinander verklebt, oder anderweitig miteinander verbunden sind. Sie werden lediglich durch die Spannung des Leders um sie herum gehalten.
Das Leder ist miteinander vernäht und auf der Rückseite der Scheide, in Nähe des Scheidenmundes finden sich zwei Löcher. Vermutlich zum durch fädeln eines Bandes um die Scheide so am Gürtel zu befestigen.
Auf der Vorderseite verfügt die Scheide über zwei Besteckfächer, bei denen es sich um „kleine Scheiden“ handelt die zwischen Furnier und Ledermantel eingelassen sind.
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