Abschied von Thomas

Letzte Woche ist Thomas leider viel zu früh aus dem Leben geschieden. Aber wahrscheinlich ist es immer zu früh, einen Menschen zu verlieren, den man schätzen gelernt hat.
Thomas war uns ein sehr sympathischer Zeitgenosse mit viel Humor und Witz, aber auch mit viel Ernsthaftigkeit beim Training, egal ob mit dem langen Schwert, mit Schwert und Buckler, beim Dolchfechten oder Ringen.
Auch sein großes Interesse an der historischen Darstellung war für uns eine ganz besondere Bereicherung.
Thomas hat unseren jungen Verein „Twerchhau“ geprägt und uns ein Vereinswappen gegeben.
Leider war die gemeinsame Zeit viel zu kurz. Wir werden Thomas immer in guter Erinnerung behalten und seiner Gedenken. Er wird uns sehr fehlen.

Twerchhau e.V. & Drei Wunder Berlin

Johann Georg Pascha – Vollständiges Ringbuch

ich bin vor kurzen auf das Ringbuch von Johann Georg Pascha gestoßen und davon ziemlich begeistert. Das Buch ist ein Druck der in Leipzig erschienen ist und stammt aus dem Jahr 1663.
Gefallen tut es mir deshalb so gut weil die einzelnen Stücke wie ich finde gut verständlich beschrieben sind und das ganze Werk recht gut strukturiert ist, Es wird mit dem losmachen begonnen, geht dann über Techniken aus dem Fassen und kommt dann irgendwann zur Verteidigung gegen Schläge usw. Auch enthält es alles was man sich wünscht, Befreiungen, Hebel, Würfe, Augenstiche, Techniken gegen Schläge und Tritte, in den Mund greifen, Handkantenschläge, Bodenkampf, usw. Ihr findet das Büchlein hier.

Einen Buckler fertigen

Im folgenden will ich erklären wie man einen einfachen Buckler fertigt. Dazu brauchen wir folgende Materialien ein Sperrholzplatte 35 cm mal 35 cm (oder wie sonst gewünscht). Ich verwende immer Sperrholz aus Pappel, 10 mm stark, Holzleim, einen Pinsel, eine Stichsäge, zwei Holzleisten (eine als Hilfe zum anzeichnen der Kreise und eine für die Schildfessel), eine Bohrmaschine, einen Bleistift, ein Stück Schleifpapier, ein paar Nieten und Unterlegscheiben, einen Hammer, ein Teppichmesser, drei Nägel, zwei Ledernadeln, etwas alten Stoff, gewachsten Z
Leinenzwirn, Rohhaut, ein Ahle zum vor stechen, ein Stecheisen oder Schnitzmesser, einen Schildbuckel, einen Hobel (optional) und wenn gewünscht die Farben um den Buckler nach dem eigenen Geschmack zu bemalen sowie etwas Holzöl oder Holzwachs.

Zunächst nehme ich mir das Sperrholzbrett vor und markiere an ihm seine Mitte. Zum Anzeichnen der Kreise verwende ich gern eine Holzlatte. Dazu bohre ich in diese mittig an einem Ende ein Loch. Dieses ist für den Nagel. Nun messe ich von diesem Nagel aus die Hälfte des gewünschten   Durchmessers von dem zu fertigenden Buckler. Und bohre auch an dieser Stelle ein Loch in die Leiste. Ebenso verfahre ich mit dem Durchmesser der Höhlung des Schildbuckels. Ich vermesse diese und zeichne die Hälfte des Durchmessers auf der Leiste an, und durchbohre sie an dieser Stelle. In dieses Löcher kommt der Bleistift zum Anzeichnen des Schildumfangs und des Ausschnitts für den Schildbuckel.
Wenn die Leiste fertig haben stecke ich den Nagel in das für ihn vorgesehene Loch, schlage ihn mit dem Hammer ein wenig fest und zeichne die Kreise für das Außenmaß des Bucklers und den Ausschnitt für den Schildbuckel an.
Aus einem anderen Stück Holz fertige ich mir eine Leiste für die Schildfessel. Die genaue Form der Schildfessel ist Geschmackssache. Die Fessel sollte aber so lang sein das sie fast von einem Rand des Bucklers bis zum anderen reicht. Aber nur fast. Sonst stört die Leiste nachher beim anbringen des Schildrands. Ich lasse die Schildfessel an der Stelle wo die Hand den Buckler später hält zunächst immer ein wenig breiter. Der Griff lässt sich wenn der Buckler fertig ist sehr gut mit einem Stück Sandpapier anpassen.
Als nächstes wird der Buckler aus der Platte heraus gesägt. Es lässt sich übrigens genauer an der Linie entlang sägen wenn man den Schlitten der Stichsäge am Daumen entlang führt. Um das Loch für den Schildbuckel zu sägen kann man entweder ein Loch ins Holz bohren in das man das Sägeblatt einführt um dann los zu sägen. Man kann aber die Stichsäge auch aufsetzen und sie sich einfach hinein fressen lassen.
Nachdem alles ausgesägt ist glätte ich die Schnittkanten noch mit einem Stück Schleifpapier.

Ist das Brett soweit vorbereitet wird der Stoff auf das Brett aufgeleimt. Dazu bestreiche ich das Brett satt mit Leim, bringe den Stoff auf und streiche ihn mit einem Holzabschnitt, oder ähnlichem ordentlich glatt. Dann lassen ich das ganze ein wenig trocknen und streichen, diesmal den Stoff, gut mit Leim ein und bringe noch eine Lage Stoff auf, welche ich auch wieder gut glatt streiche. So das sich zwei Lagen Stoff übereinander befinden. Um das ganze haltbarer zu machen streiche ich auch die zweite Lage Stoff von oben noch mal satt mit Leim ein. Dafür verdünne ich den Leim jedoch vorher mit Wasser. Flüssig aber nicht wässrig. So das er sich gut verstreichen lässt. Auf der Rückseite des Bucklers gehe ich ebenso vor. Nur das ich hier die Stelle an welcher die Schildfessel angebracht wird ausspare. Dazu lege ich vorher die Schildfessel an, richte sie mit Hilfe eines Zollstocks mittig aus und zeichne sie gut sichtbar an. Wenn ich nun den Stoff auf der Rückseite aufgebracht habe schneide ich die Stelle an welche später die Schildfessel kommt mit einem Teppichmesser aus (auch beim auftragen des Leims spare ich sie aus). Das aufbringen des Stoffs verleiht dem Schild extrem mehr Stabilität. So das es möglich ist ein relativ dünnes Brett für den Buckler zu verwenden und ihm dennoch genug Stabilität zu geben. Was gegenüber einem dickeren Brett ohne Stoff eine ziemliche Gewichtsersparnis mit sich bringt. Nun muss das ganze gut trocknen.

Wenn der Leim gut getrocknet ist kann der Buckler, wenn man es möchte bemalt werden. Ich verwende für das bemalen immer einfache Wandfarben, bzw. Dispersionsabtönfarben. Um dem ganzen ein gewisses Maß an Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit zu verleihen, öle ich den Schild abschließend immer mit Holzöl ein oder versiegele ihn mit farblosen Möbelwachs. Solche Schilde von mir haben schon über Nacht im Regen gestanden und dennoch keinen Schaden genommen. Wenn der Schild bemalt wird bevor der Leim richtig trocken ist, wird die Farbe beim Trocknen reißen.

Als nächstes wird die Schildfessel angebracht. Dazu halte ich die Schildfessel an die Stelle an welche sie platziert werden soll und bohre für die Nägel an den oberen Enden jeweils ein Loch durch Fessel und Schild. Die Nagelung hat den Vorteil, das wenn sich die Leimung einmal im Gefecht lösen sollte, der Schild wenigstens noch ein Bisschen von den Nägeln gehalten wird und nicht einfach von der Fessel abfällt (das habe ich schon erlebt). Wichtig ist es aber das die Löcher welche gebohrt werden einen kleineren Durchmesser haben als die Nägel, sonst greifen die Nägel nicht mehr und verfehlen ihren Sinn. Wenn die Nägel einfach eingeschlagen werden ohne das Holz vor zu bohren würde es die Schildfessel mit großer Wahrscheinlichkeit einfach spalten, zumindest zum Teil. Nun bestreiche ich den Schild an der entsprechenden Stelle mit Leim und setze die Schildfessel auf. Es ist wichtig die Schildfessel beim verleimen mit Schraubzwingen richtig fest anzupressen, sonst hält die Leimung nicht. Um zu vermeiden das die Schildfessel beim anziehen der Zwingen verrutscht, schlage ich die Nägel schon mal ein. Schlage sie aber noch nicht um. Das tue ich erst wenn die Zwingen fest an ihrem Platz sitzen. Bevor ich die Nägel umschlage nehme ich mir ein Stecheisen und mache in Länge der Nägel eine Kerbe ins Holz der Fessel. Anschließend schlage ich die Nägel dort hinein. So steht nachher der Nagel nicht über und man kann sich somit an ihm auch nicht verletzen. Jetzt ist auch der beste Moment den Buckler zu ölen, oder zu wachsen. Den Griff des Bucklers spare ich jedoch immer aus.

Jetzt geht es an den Schildrand. Da ich den Schildrand immer annähe muss ich zunächst Löcher in Bucklerrand bohren. Dazu zeichne ich mir den Bucklerrand entlang eine Linie, etwa 1,5 cm vom Schildrand entfernt. Die Löcher bohre ich anschließend nach Gefühl. Die Größe des Bohrers sollte dabei so gewählt sein das die Nadeln anschließend sicher hindurch gehen, aber nicht viel größer. Um die Rohhaut verarbeiten zu können muss sie erst mal ein paar Stunden in Wasser eingeweicht werden um weich zu werden. Ich empfehle kaltes Wasser. Ich habe die Erfahrung gemacht das die Rohhaut stark schleimig wird wenn sie in warmes Wasser eingelegt wird. Was bei kaltem Wasser nicht passiert. Das vernähen der Rohhaut muss zügig von statten gehen damit die Rohhaut nicht vor Beendigung trocknet, da sie sich sonst nur schlecht weiter verarbeiten lässt.
Deshalb lege ich auch die Ahle, das eingefädelte Stück Leinenzwirn, an dem sich auf beiden Seiten eine Nadel befindet und den Buckler schon bereit, bevor ich die Rohhaut aus dem Wasserbad hole.
Zum vernähen der Rohhaut stelle ich den Buckler aufrecht zwischen meine Beine, lege die Rohhaut mittig über den Schildrand und steche mit der Ahle das erste Loch vor. Dann ziehe ich den Faden hindurch, dann steche ich das nächste Loch und ziehe den Faden hindurch, usw. Wenn ein paar Löcher genäht sind und die Rohhaut erst einmal fest sitzt kann man auch mehr Löcher auf einmal vor stechen und dann vernähen.

Nun ist der Buckler fast fertig, es fehlt nur noch der Schildbuckel. Als erstes lege ich den Buckel auf dem Schild an, vermittele ihn mit Hilfe eines Zollstocks und zeichne die Bohrlöcher an. Dabei achte ich darauf, oder versuche es zumindest, das kein Loch durch die Schildfessel geht.
Sind die zukünftigen Löcher angezeichnet, bohre ich selbige. Lege den Schildbuckel auf den Schild und führe die Nieten durch die Löcher, drehe den Buckler um und lege die Unterlegscheiben auf die Nieten. Natürlich klappt das so nicht, denn sie fallen zum größten Teil beim umdrehen einfach heraus. Aber Thematisch mache ich es so. Eigentlich stecke ich alle Nieten durch die Löcher, damit der Schildbuckel auch wirklich richtig liegt, da die Löcher nicht unbedingt egal sind. Und wenn ich den Buckler umdrehe halte ich nur einen Niet fest, die anderen fallen heraus. Dabei lege ich zwischen Boden und Nietkopf, also zwischen Schild und Boden einen Metallklotz. Beim vernieten drücke ich den Nietkopf auf die Unterlage, so das ich einen widerstand habe.
Beim vernieten sollte man derart auf die Nieten schlagen das man nur leicht schlägt und dabei den Hammer immer ein wenig nach außen zieht um das Metall des Niets über die Unterlegscheibe zu bringen. Ich benutze immer Kupfernieten, die lassen sich einfach vernieten, sehen schick aus und man bekommt sie in den meisten Eisenwaren Fachgeschäften.
Als letztes noch den Griff mit Schleifpapier anpassen und fertig ist der Buckler.

Hier noch mal das ganze als Bilderserie.

Tag der Meisterehrung

Anlässlich der Gründung des Twerchhau e.V. wurden wir von Herrn Klein vom Neuköllner Sportamt gebeten, unseren Verein im Rahmen des Tages der Meisterehrung mit einer kleinen Vorführung vorzustellen. Was wir natürlich gern gemacht haben.
Leider war das Zeitfenster dafür recht klein, zehn Minuten, so das wir auf die einzelnen Bereiche nicht wirklich eingehen konnten und die Aufführung somit nur einen Oberflächlichen Eindruck unseres Trainingsinhalts vermitteln konnte. Aber es ist ein Anfang um in Berlin das Historische Fechten einem breiteren Publikum bekannt zu machen.
Vielen Dank an Drei Wunder Berlin, namentlich Micha und Uli für die Unterstützung und Herrn Klein für die Einladung. Sowie an alle Teilnehmenden, nicht zu vergessen unserem sagenhaften Moderator Nick. Auch wenn ihm in dem Video wegen ein paar gackernder Zuschauer in der Nähe der Kamera der Ton abgeschnitten wurde.

Hier ein Videomitschnitt der Vorführung.

video

 

Buckler Seminar mit Roland Warzecha – Rückblick

Am 26.- und 27.3.2011 hat Roland Warzecha in Berlin ein Seminar zu den Grundlagen des Bucklerfechtens abgehalten. Inhaltlich ging es dabei nicht primär um das Erlernen einzelner Spiele des I.33. Sondern um Grundlegende Prinzipien des Bucklerfechtens, bzw. im allgemeinen Umgang mit scharfen Hiebwaffen.

Samstag ging es vor allem erst mal um eben diese Grundlagen. Am Anfang wurden die Prinzipien der Biomechanik vermittelt, wie richte ich mich kraftvoll zum Gegner aus, wie muss ich auf den Gegenüber zugehen um ihn in einem für ihn ungünstigen Winkel anzugehen, wie erzeuge ich Druck und wie halte ich diesem Stand. Weiter ging es dann mit den Grundlagen des Bucklerfechtens. Wie führe ich das Schwert richtig, wie setzt man gute Bucklerschläge, welche Fußarbeit ist im Umgang mit Schwert und Buckler sinnvoll, wie überbinde ich die Klinge meines Gegenüber und wie beantworte ich eine Überbindung. Und vieles mehr.

Am Sonntag ging es dann um Angriffe aus verschiedenen Huten und wie man sie kontert. Gegen Ende des Seminars haben wir noch ein paar kontrollierte Freikämpfe gemacht. Kontrolliert heißt in dem Fall, es wurde nur mit halber Geschwindigkeit gefochten. Was auch recht gut geklappt und viel Freude bereitet hat.

Das Seminar war wirklich sehr lehrreich und hat viel Spaß gemacht. Rolands Unterricht hat durch fundiertes Fachwissen und eine nette und anschauliche Art die Themen zu vermitteln überzeugt.

Wir werden das Seminar auf jeden Fall nächstes Jahr fortführen. So das wir Roland bitten werden im nächsten Jahr ein Seminar zu halten welches auf dem diesjährigen aufbaut. Ich kann allen an der Kunst des Bucklerfechtens interessierten ein Seminar mit Roland wärmstens empfehlen, es wird euch ein gutes Stück vorwärts bringen. Und falls es für euch bis Berlin zu weit ist, ladet ihn einfach zu eurem Heimatort als Trainer ein 🙂

Freikampfdolch

für ungebremste Stichübungen und den Freikampf haben wir uns Dolche gebastelt. Das wichtigste war für uns, unseren Trainingspartner mit einem Stich, wenn er denn mal relativ ungebremst ins Ziel kommt, nicht zu verletzen. Gleichzeitig sollte er aber auch möglichst steif sein um wenigstens den Ansatz eines Hebels so erfolgreich wie möglich umsetzen zu können.
Die erste Version die ich gemacht hatte war nur aus Wollstoff und Tesa gefertigt. Die sind eigentlich schon gar nicht so schlecht. Aber im oberen Teil hatte ich mir doch noch etwas mehr Steifigkeit gewünscht. So habe ich das ganze noch mal überdacht und nun im oberen Teil einen Kern aus Zeitungspapier mit eingearbeitet. Mit dem Ergebnis bin ich eigentlich recht zufrieden. Natürlich ist es nur ein Provisorium, aber dafür finde ich ein recht brauchbares. Der obere Teil des Dolchs ist doch recht steif und der Ort recht weich. Wir werden aber versuchen den „Dolch“ noch mehr zu optimieren. So hätte ich z.B. auch ganz gerne noch ein paar Scheiben an ihm.
Beim durch klicken der Bilder erscheint dazu eine Erklärung der einzelnen Arbeitsschritte.

Teaching & Interpreting Historical Swordmanship

Für alle diejenigen welche im historischen Fechten Übungsleiter geworden sind, sein es absichtlich oder aus versehen, ein wie ich finde sehr nützliches Buch.
In diesem Buch reden verschiedene Trainer die historisches Fechten unterrichten über ihre Gedanken und Erfahrungen, welche sie beim Training, oder durch das Training gemacht haben. Aber auch über Ihre Herangehensweise beim Interpretieren historischer Schriften.
Zu Wort kommen in dem Buch Brian R. Price, Gary Chalek, Matt Galas, Stephan Hand, Sean Hayes, Johann Heim, Marlon Hoess-Bottger, Colin Richards, Luca Porzio, Milo Thurston, Christian Henry Tobler, William E. Willson, Guy Windsor.
Noch mal meinen Herzlichen Dank an Micha für die Leihgabe und das Aufmerksam machen.

Teaching & Interpreting
Historical Swordmanship
Brian R. Price
Chivalry Bookshelf
ISBN: 1-891448-46-3