Säbel

Der Säbel ist eine Hieb- und Stoßwaffe, die in Europa seit ca. eintausend Jahren, sowohl im militärischen als auch im zivilen Gebrauch war. Spezifische Einsatzgebiete sind nicht einfach auszumachen, da er bei Kavallerie, Infanterie und Marine im Gebrauch war. Allerdings wurde seine Form und Länge permanent den Bedürfnissen des Einsatzbereichs und der militärischen Entwicklungen angepasst.

Grundsätzlich, mit Ausnahme moderner Sportsäbel, weist ein Säbel eine gekrümmte Klinge auf. Die Waffe ist hauptsächlich für den Hieb bestimmt. Abhängig von der Krümmung kann mit ihr aber auch gestoßen werden. Dabei gilt, je gerader eine Klinge ist, desto besser lässt sich damit stoßen, umso weniger gut schneidet sie aber im Hieb. Dementsprechend haben die Militärs immer wieder nach Kompromisslösungen gesucht.

Seit dem Mittelalter durchlief der Säbel die Rollen der Haupt-, Bei-, Duell-, Sport- und Paradewaffe und ist in den beiden letztgenannten noch in der Gegenwart präsent. Da Form und Anwendung regelmäßigen Wandlungen unterlag, musste sich auch die Fechttechnik immer wieder anpassen und umgekehrt.

Um das Säbelfechten nach historischen Vorlagen rekonstruieren zu können braucht es entsprechende Quellen. Diese sind aber leider vor der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts äußerst rar. Erst mit dem Aufkommen der Militärschulen, in denen das Säbelfechten zur Ausbildung gehörte, werden schriftliche Anweisungen häufiger. Ab dem 19. Jh. tauchen diese Fechtbücher in großen Mengen auf, sowohl für das militärische als auch das zivile Training. Interessant sind dabei die regional unterschiedlichen Varianten auf jeweils gleiche Situationen zu reagieren.

Säbelfechten bei Twerchhau

Kreuzhiebfechten (cross-cutting): Eine, bis wahrscheinlich ins 18. Jh. hinein, in den Gebieten Polens, Litauens, Ungarns angewandte Form des Säbelfechtens. Leider gibt es dafür keine zeitgenössische Quelle, die genaue Anweisungen zu den Techniken gibt. Lediglich kurze Erwähnungen in deutschen Fechtbüchern und Berichten über Duelle sind aus der Zeit erhalten. Die einzige bisher bekannte schriftliche Anweisung zum Kreuzhiebfechten ist „O Szermierstwie“ (On fencing) von Michał Starzewski, wahrscheinlich aus dem Jahr 1830. Zu dieser Zeit war das Kreuzhiebfechten aller Wahrscheinlichkeit nach schon von militärischen Systemen abgelöst und weitgehend vergessen worden. Dementsprechend sind Starzewskies Anweisungen auch mit einiger Vorsicht zu betrachten. Für unser Training benutzen wir die englische Übersetzung von Daria Izdebska. Weiterhin dient uns das Buch „Polish Saber. The use of the Polish Saber on foot in the 17th century“ von Richard Marsden als Inspiration, Quellen- und Bildmaterial sowie der Austausch von Ideen, Informationen und Techniken mit Jerzy Miklaszewski und Andrew Brew.

Aufgrund der Quellenlage ist die Rekonstruktion dieser Fechtkunst fast ausschließlich interpretativ. Dementsprechend findet man international auch unterschiedliche Ansätze dazu. Sie alle dienen aber in ihrer Gesamtheit der Vermittlung eines Bildes des Kreuzhiebfechtens. Denn genau wie auch die Fechtmeister anderer Waffengattungen verschiedene Ansichten und Techniken lehrten, kann es für das Cross-Cutting nicht nur die „eine wahre“ Ausführung gegeben haben.

Militärisches Säbelfechten (Fortgeschrittene):

Viele Militärschulen des 19. Jh. haben eigene Fechtanleitungen verfasst, die zum großen Teil im Internet zum freien Download zur Verfügung stehen. Jeder Schüler darf sich hier seinen eigenen Interessen widmen. Findet er ein System ansprechend und möchte es studieren, dann kann er dies tun. Wichtig ist dabei, sich dafür Mitinteressenten sowie Hilfe und Beratung zu suchen, denn allein trainiert sich ein System schlecht.

Mit den Techniken, die der Schüler aus seinem persönlichen System kennt, tritt er dann in Trainingsduellen und -turnieren an. Dabei erfährt er, wie effektiv diese Techniken sein können und wo sie an ihre Grenzen stoßen. Idealerweise bleibt er bei diesen Trainingskämpfen bei seinen systemeigenen Techniken.

Für die Zukunft wird hier auch die Beschäftigung mit den Quellen zur sogenannten „Berliner Schule“ angestrebt. Da wir in Berlin sind, sollten wir uns damit auch befassen.

Turniervorbereitung (freiwillig): Für das Turniertraining werden Techniken vermittelt, die sich in vielen militärischen Systemen ähneln bzw. die gleiche Basis haben und sich in diversen Turnieren bereits bewährten.

Das Kreuzhiebfechten eignet sich nur bedingt für Turniere, da hierbei durch die Form der Säbel und Art des Fechtens sehr viel Wucht erzeugt wird. Viele Veranstalter lassen deshalb die entsprechenden Säbel nicht zu und genehmigen nur solche, die den militärischen Säbeln des 19. Jh. entsprechen, mit denen das Kreuzhiebfechten wiederum kaum möglich ist.